16.01.15

Warum der Euro-Absturz bei 1,0163 CHF nicht vorbei ist

Der Eurokurs pendelt sich aktuell bei 1,0163 Franken ein, nachdem er von 1,2010 bis auf 0,86 Franken (-28,39 Prozent) abstürzte. Es wird bereits darüber spekuliert, dass der Euro rasch wieder auf 1,10 Franken steigen könnte, zumal die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen senkt. Dazu sagen Skeptiker: Pustekuchen! Die Schweizer Volkswirtschaft bekomme jetzt die Quittung für mehr als drei Jahre Wechselkurs-Manipulation.


So stark sei die Schweizer Wirtschaft nun auch nicht, als das ein Wechselkurs von 1 Euro = 1 Franken gerechtfertigt sei, meinen bereits die ersten Devisenexperten, die sich in den letzten Jahren mit ihren Schweizer Franken Prognosen nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Dem halten die Skeptiker den Blick nach Japan entgegen.

Die japanische Wirtschaft war zwischen 2009 und 2012 sehr schwach auf der Brust. Dies spiegelte sich aber nicht im Außenwert des Japanischen Yen wider. Der Yen wertete sogar bis zum Sommer 2012 massiv auf. Für 1 Euro bekam man mit lediglich 94 Yen so wenig wie im Herbst 2000.

Der Yen begann sich erst wieder abzuwerten, seitdem Shinzu Abe Ministerpräsident ist. Er versucht mit Konjunkturprogrammen und einer enormen Geldschwemme die Wirtschaft flott zu machen (Abenomics). 1 Euro ist inzwischen 135 Yen wert. Der Yen ist schwach, weil die Bank von Japan massive Anleihekaufprogramme durchführt, die sie nur wegen der gigantischen Staatsverschuldung Japans fahren kann.

Frankenstärke

Der Franken steht wechselkurstechnisch da, wo der Japanische Yen 2009 stand. Die Schweiz ist nicht nur traditionell ein sicherer Hafen. Es sind auch sonst alle Zutaten vorhanden, die für einen starken Schweizer Franken weit unter der Euro-Parität sprechen. Die Schuldenstandsquote der Schweiz ist mit 35 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur halb so hoch wie in Deutschland, das sich regelmäßig als Musterschüler selbst auf die Schulter klopft.

Auch die sprudelnden Leistungsbilanzüberschüsse der Schweiz von mehr als 10 Prozent des BIP zeigen, dass der Franken eigentlich noch viel stärker werden müsste. Durch das Mindestkurs-Aus dürften sich die Finanzmärkte nun daran machen, die durch Wechselkursmanipulation jahrelang künstlich hochgehalten Überschüsse abzubauen.

Dass die SNB den Negativzins auf Bankeinlagen noch einmal um 0,5 Prozent gesenkt hat, ist angesichts der gewaltigen fundamentalen Ungleichgewichte wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Zumal hantierte die Schweizerische Nationalbank schon einmal in den 1970er Jahre glücklos mit negativen Zinsen.

Fazit:
Der Schweizer Franken dürfte noch stärker werden, weil nur auf diese Weise ein Prozess in Gang gesetzt wird, die von Wechselkursmanipulation gedopte Schweizer Volkswirtschaft auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen.