17.01.15

Tilgen in Franken statt Konvertieren in Euro

Fremdwährungskreditnehmer kramen nach der Mindestkurs-Aufhebung ihre Taschenrechner heraus. In Österreich sind vor allem Häuselbauer betroffen, die eine Hypothek wegen niedrigen Zinsen in der Schweiz aufnahmen. Viele könnten sich nun für eine Zwischenlösung entscheiden: Tilgen in Franken anstatt Konvertieren in Euro oder Aussitzen.

Aus heiterem Himmel hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 ihre Währung vom Euro gelöst. Nach drei Jahren und vier Monaten mit Euro-Franken-Kursen von mindestens 1,20 sei das System nicht aufrecht zu erhalten, teilte SNB-Chef Thomas Jordan mit. Der Euro stürzte daraufhin um 17,5 Prozent ab. Aktuell werden für 1 Euro Kurse von 0,9909 Franken bezahlt.

Ein typischer Fremdwährungskreditnehmer in Österreich, der im Jahr 2002 ein Darlehen im Gegenwert von 150.000 Euro bei einem Euro-Franken-Kurs von 1,45 aufnahm, sieht sich mit einer nach oben schießenden Restschuld konfrontiert.

Als der Euro bei 1,20 Franken notierte, lag die Restschuld mit 181.250 Euro zwar auch schon um mehr als 30.000 Euro über dem Soll. Kompensiert wurde das jedoch durch die Zinsersparnis. Der Franken-Kreditnehmer sparte in den vergangenen 13 Jahren wegen den tiefen Zinsen in der Schweiz gegenüber einer Euro-Finanzierung ca. 25.000 Euro. Unter dem Strich war der Verlust von 6.125 Euro beherrschbar.

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Durch den Paukenschlag der SNB hat sich die Lage wieder verschlechtert. Nun klafft eine Lücke zwischen Restschuld und Zinsersparnis von knapp 45.000 Euro. "Es ist eine ernste Sache für Kreditnehmer, primär für jene, bei denen der Kredit bald ausläuft", zitiert der Kurier Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank.

Wer jetzt in einen Euro-Kredit wechselt, realisiert die bisher nur auf dem Papier angefallenen Wechselkursverluste. Viele dürften daher erst einmal von dem endfälligen Kredit in eine tilgende Variante umsteigen, auch weil es derzeit in den Sternen steht, was mit dem Euro-Franken-Kurs passiert.

Pessimisten rechnen damit, dass die Schweiz von den Devisenmärkten jetzt eine richtige Abreibung bekommt, und so könnte der Eurokurs noch einmal um 20 Prozent auf sodann 0,80 Franken einbrechen.

Optimisten sehen nun den Punkt erreicht, an dem das Gröbste überstanden ist. Der Eurokurs könnte bei 0,99-1,00 Franken einen Boden finden und auf 1,10 Franken steigen, alsbald sich das Wachstum im Euroraum wegen des allgemein schwachen Euros beschleunigt.