08.01.15

SNB bitte noch mehr Euros kaufen

500 Milliarden Franken sind nicht genug! Weil es sich der Euro aktuell zwischen 1,2000 Franken und 1,2010 Franken gemütlich macht, muss die Schweiz immer stärker die Notenpresse ankurbeln. Das ist insofern bitter für die Eidgenossen, da sie sich mit Gedeih und Verderb an den Euro binden. Derweil bereitet die SNB offenbar die nächste lancierte Attacke auf den Wechselkurs vor.

Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erhöhten sich von 462,67 Milliarden Franken im November 2014 auf 495,10 Milliarden Franken im Dezember 2014, teilte die Notenbank gestern in Zürich mit. Der monatliche Anstieg von 32 Milliarden Franken ist der höchste seit Juni 2012. Damals tobte die Eurokrise, derzeit tobt die Euro-Dollar-Krise.

Für 1 Euro werden aktuell nur noch Kurse von 1,1770 US-Dollar bezahlt. Das ist so wenig wie zuletzt vor neun Jahren. Selbst während den Schuldenkrisen in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien war die Gemeinschaftswährung nicht so tief gefallen. Die Schwäche gegenüber dem US-Dollar färbt auf den Wechselkurs EUR/CHF ab.

"Es wird erwartet, dass die Schweizerische Nationalbank den Negativzins dann weiter ins Minus rutschen lässt", schreibt die Frankfurter Allgemeine in Anspielung auf die geplanten Käufe von Staatsanleihen der Europäischen Zentralbank (EZB). Wegen der europäischen Misere bleibe die Schweiz trotz aller Abwehrmaßnahmen für Anleger das gelobte Land.

Nachdem sich der frühere SNB-Chefökonom Kurt Schiltknecht für eine Absenkung des Euro-Mindestkurses auf 1,10 Franken ausgesprochen hat, bekam die Glaubwürdigkeit der Untergrenze bei 1,20 einen Kratzer.

"Das würde nur die Erwartung auf weitere Senkungen schüren", zitiert der Tagesanzeiger eine Stellungnahme des Devisenexperten Thomas Flury von der UBS zu einer möglichen Absenkung der Untergrenze auf 1,15 oder 1,10 Franken.

Fraglich ist, ob die Schweizerische Nationalbank mit einer weiteren Senkung der Einlagenzinsen als Reaktion auf ein EZB-Kaufprogramm von Staatsanleihen noch irgendetwas bewirken kann. Sollte sie noch einmal außerplanmäßig, vor ihrer turnusmäßigen Sitzung im März 2015 eingreifen, würde das von Marktteilnehmern als Signal der Schwäche gewertet.