07.11.14

Tappt die SNB in die 3-Billionen-Euro-Falle der EZB?

Weil sich die Europäische Zentralbank (EZB) nicht traut Staatsanleihen zu kaufen, wird ein Lückenfüller gesucht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) passt in diese die Rolle wie maßgeschneidert. Sie hat noch jede Menge Platz in ihrer Bilanz. Die Gretchenfrage ist: Wie reagiert der Euro-Franken-Kurs auf die zwei Elefanten im Porzellanladen?

Der Euro nimmt aktuell Tuchfühlung mit der Untergrenze bei 1,2000 Franken auf. Er sinkt auf 1,2029 Franken. Das ist der tiefste Stand seit dem 28. November 2012. Mittlerweile befindet sich der EUR/CHF-Kurs in drei Abwärtstrends. Der langfristige hat seinen Ursprung im Oktober 2007 bei 1,6830, der mittelfristige im Mai 2013 bei 1,2650 und der kurzfristige im Januar 2014 bei 1,2395.

Mario Draghi bekräftigt seinen Plan die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank von derzeit 2,2 Billionen Euro auf 3 Billionen Euro aufzustocken. Das Ziel soll durch den Kauf von Pfandbriefen, ABS-Papieren und Langfristkrediten für Banken erreicht werden. An den Aufkauf von Staatsanleihen traut sich Draghi bisher nicht heran.

Möglich wäre, dass sich die zum Euroraum gehörende Schweiz dem Kauf von Euro-Staatsanleihen widmet. Sie hat eigentlich gar keine Wahl. Der Euro-Franken-Kurs hat seit der Ankündigung der EZB im Mai 2014 die Geldpolitik zu lockern seine Talfahrt verschärft. Die Bilanzaufstockung der EZB wird die SNB egalisieren müssen, alsbald der Euro sein Abwärtspotential bei 1,2000 Franken ausgereizt hat.

Per Ende Oktober 2014 lagerte die SNB Devisenreserven im Gegenwert von 460 Milliarden Franken ein. Damit liegt das Verhältnis des Fremdwährungsbestandes zum Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei ca. 70 Prozent. Man könnte durchaus auf 100 Prozent oder auch noch höher gehen, sagen Volkswirte.

Sollte der Euro im Zuge der EZB-Lockerung auf 1,2000 Franken fallen, müsste die Nationalbank zur Verteidigung des Mindestkurses Devisenreserven anhäufen. Mit einem großen Teil davon würde sie deutsche und französische Staatsanleihen kaufen. Das wäre vor allem für Präsident Hollande ein Geschenk, als die Zinsen auf französische Staatsanleihen sänken und er ohne weitere Einsparungen die Haushaltsvorgaben der EU-Kommission leichter erfüllen könnte.

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