03.09.14

Warum der Euro mit Blessings Eurobonds über 1,30 CHF steigt

Am Devisenmarkt klettert der Euro auf 1,2088 Franken. Das Währungspaar erreicht den höchsten Stand seit einer Woche, nachdem sich Deutschlands zweitgrößte Bank für Eurobonds stark macht. Sollte Berlin künftig für römische Schuldenberge mithaften, könnte der Euro-Franken-Kurs Höchstmarken jenseits von 1,30 erreichen.

"Durch die Einführung solcher Europa-Staatsanleihen können wir den Euro als global bedeutende Währung dauerhaft etablieren und damit die Bedeutung und Wettbewerbsfähigkeit von Europa sichern", schreibt Commerzbank-Chef Martin Blessing in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Darauf hin antworte das Bundesfinanzministerium in Berlin: "Euro-Bonds stehen weit und breit nicht auf der politischen Agenda. Sie würden nur die Anreize für die Mitgliedstaaten, wichtige Strukturreformen durchzuführen, verringern. Anstelle sich mit einem Thema zur Unzeit zu befassen, sollte sich Herr Blessing auf seine Funktion als Vorstandsvorsitzender konzentrieren", sagte der Staatssekretär im Finanzministerium, Steffen Kampeter".

Vertrauen

Blessings geforderte Haftungsunion würde Risiken in der Eurozone verringern und den Glaube in den Euro stärken. Es würde sich wie in den Jahren 2002 bis 2007 eine Vertrauensüberschuss aufbauen, was zu einer Korrektur des von Investoren wahrgenommen fairen Wert von derzeit EUR/CHF 1,10 auf 1,30 oder darüber hinaus führen könnte.

Zinsen für Staatsanleihen sämtlicher Euroländern befinden sich derzeit auf Rekordtiefs. Die Ursachen dafür sind allerdings recht unterschiedlich. Deutschland kommt so günstig an Kredite wie noch nie, weil es ein sehr solide Haushaltspolitk und vorzeigbaren Wachstumsperspektiven hat. Italien hat hingegen wegen einer Blankovollmacht der EZB niedrige Zinsen.

Die Europäische Zentralbank (EZB versprach vor zwei Jahren im Notfall mit dem Drucken von Geld die Staatspleite eines Eurolandes abzuwenden. Investoren können sich sicher sein, wenn es eng wird, italienische Schuldscheine bei der EZB abzuladen. Kämen Eurobonds, erhielte Italien, das den drittgrößten Schuldenberg der Welt vor sich herschiebt, eine weitere Blankovollmacht vom deutschen Steuerzahler.

Weiterlesen:
Die scheinheilige Euro-Rettung am Beispiel Italiens