17.6.14

Wenn Jordan so kreativ wie Draghi wäre...

...müsste man sich über einen Absturz des Euros auf 1,20 Franken keine Sorgen machen. Allerdings fehlt es dem Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an Kreativität, während der Italiener Draghi mit jeder Menge Psychotricks arbeitet. Der Euro-Franken-Kurs notiert aktuell mit fallender Tendenz bei 1,2180.

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) vor zwei Wochen eingeführten negative Einlagenzins sei ein reiner Psychotrick, sagt der Chefökonom der Bank Julius Bär, Janwillem Acket, nach Informationen der Nachrichtenagentur sda. Auf den fraglichen Strafzins-Einlagenkonten läge nämlich nur die für Notenbankverhältnisse bescheidene Summe von 20 Milliarden Euro.

EZB-Präsident Mario Draghi dürfte es egal sein. Mit seinem Lockerungspaket hat er nämlich nach Einschätzung der Analysten die Erwartungen erfüllt bzw. übertroffen.

Von Draghis Bauernschlauhheit könnte sich SNB-Präsident Thomas Jordan vielleicht mal etwas abschauen. Der Italiener hat den Märkten durch verbale Tricks inzwischen eingetrichtert, dass es unter seiner EZB-Regentschaft einen Anstieg des Euros über 1,40 US-Dollar nicht geben wird.

Jordan hingegen wiederholt seit Jahren die gleiche Phrasen. Man werde den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken notfalls durch unbegrenzt Devisenmarktinterventionen, die über die Notenpresse finanziert werden, verteidigen.

(Weiterlesen: Dr. Doom erwägt Mindestkurs-Anhebung auf 1,30)

Der oberste Schweizer Währungshüter hätte durchaus Handlungsspielraum, in dem er mit einer Anhebung des Mindestkurses auf 1,25 oder gar 1,30 kokettiere, sagen Marktbeobachter. Jordan will von solchen verbalen Spielchen bisher nichts wissen, vielleicht auch, weil er nicht als Wechselkursmanipulator gebrandmarkt werden will.

Befürworter einer aktiveren Geldpolitik der SNB sind der Meinung, dass die Schweiz noch eine Schippe drauflegen könnte, da Notenbanker derzeit rund um den Globus Zinsen und Wechselkurse manipulierten, was das Zeug halte. Die US-Fed, die die Zinsen zur Finanzierung von Obamas chronischen Defiziten flach halte, sei Vorreiter dieser Geldpolitik.

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