6.5.13

Mindestkurs so alternativlos wie deutsche Hilfsmilliarden

Die von der Schweiz bei 1,20 CHF eingezogene Euro-Untergrenze ist für die Eidgenossen so unentbehrlich wie die Rettungspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin bezeichnete die Bereitstellung von Hilfsmilliarden für Südeuropa einst als "alternativlos".

Der Eurokurs reagiert mit einer Bergfahrt auf Bemerkungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Mindestkurs. Am Montagvormittag klettert die Gemeinschaftswährung auf 1,2290 Franken. SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine würde die Geldpolitik sogar gerne lockern. Hintergrund dürfte die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) sein.

"Wir befinden uns in einer Situation, in der der Schweizer Franken weiterhin hoch bewertet ist, und wir eine Straffung der geldpolitischen Bedingungen nicht erlauben können", sagte Danthine im Gespräch mit der Zeitung "Zentralschweiz am Sonntag". "Es ist vielmehr eine Frage ein wenig expansiver zu sein."

Die EZB senkte am vergangenen Donnerstag den Schlüsselzins im Euroraum um 0,25 auf 0,50 Prozent. Die Lockerung hat entgegen den Erwartungen vieler Devisenspezialisten nicht zu einem Kurssturz beim Eurokurs CHF geführt. Momentan notiert die Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Tief der Vorwoche um ein Rappen höher.

Auf den zweiten Blick sind Mindestkurs und die Rettungspakete für Südeuropa nicht alternativlos. In Deutschland versucht sich gerade die Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) zu etablieren. Das "Professoren-Bündnis" will die die D-Mark wieder einführen. Gäbe die Schweiz den Mindestkurs auf, würde sie die Geldpolitik de facto straffen, was zu einer Entlastung des heiß gelaufenen Schweizer Immobilienmarktes beitrüge.

"Das Ungleichgewicht verschärft sich also", kommentierte Danthine die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. "Das beunruhigt uns." Die Preise der Eigentumswohnungen seien landesweit auf einem Niveau, das sich nicht rechtfertigen lasse. Bei der von Danthine ins Gespräch gebrachten Lockerung der Geldpolitik würde die Schweizer Immobilienblase wahrscheinlich noch größer werden.

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