24.3.13

Lenken die Pokerspieler in Nikosia jetzt ein?

Warum soll man ein Land, das vor fünf Jahren in den Euro eingetreten ist, nicht wieder heraus schmeißen? An diesem Punkt ist offenbar die Eurogruppe angekommen. Wenn Zypern die kommenden Stunden durch Pokerspiele und Erpressungsversuche vermasselt, dann werde man das Land aus der EU und dem Euro entlassen, heißt aus Brüsseler-Kreisen.

Zypern trat im Jahr 2004 der EU bei und erhielt 2008 die Mitgliedschaft im Euroraum. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll von den Finanzströmen und den Geldwäscheaktivitäten vor dem Euro-Beitritt gewusst haben. Paradoxerweise ist es nun auch die Notenbank, die die Mittelmeerinsel wieder herausoperieren will. Sollte die EZB am Montagabend die Versorgung über Notfallkredite einstellen, käme eine Abwärtsspirale in Gang, an deren Ende der Euro-Ausritt Zyperns stehen würde.

"Wir wollen möglichst vermeiden, dass Zypern in die Insolvenz rutscht. Ich weiß um meine Verantwortung für die Stabilität des Euro. Wenn wir jetzt falsche Entscheidungen treffen, tun wir dem Euro einen Bärendienst", sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble der Zeitung "Welt am Sonntag". "Ich bin aber auch dafür bekannt, dass ich mich nicht erpressen lasse - von niemand und durch nichts."

Die zyprische Führung hat sich auf einen Kompromissvorschlag mit der Troika geeinigt. Einlagen bei der Bank of Cyprus von mehr als 100.000 Euro sollen mit 20 Prozent Sondersteuer belegt werden. Bei allen anderen Geldhäusern soll eine Zwangsabgabe von vier Prozent auf Guthaben über 100.000 Euro erhoben werden. Ein Parlamentsbeschluss aus Nikosia liegt nicht vor. Die Beratungen sollen Sonntagabend beginnen.

Unterdessen setzt sich mit der Türkei der nächste Pokerspieler an den Tisch. Das türkische Außenministerium warnte Zypern vor einem Verkauf der Gasvorkommen. Die griechischen Zyprer dürften nicht den Wert der Bodenschätze in ein Rettungspaket einbringen, weil damit die Rechte der türkischen Zyprer ignoriert werden würden.

Die Folgen der Zypern-Krise für den Kurs des Schweizer Frankens sind überschaubar. Der Eurokurs fiel infolge der Verunsicherung im Euroraum seit dem 8. März von 1,2390 auf 1,2215 CHF. Nach der Italien-Wahl Ende Februar war die Gemeinschaftswährung in Nullkommanichts auf 1,2117 gesunken.

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