14.12.12

Der Eurokurs geht bei 1,2074 CHF in den Winterschlaf

Der Euro fällt am Freitagmorgen auf 1,2074 CHF. Damit hat die Gemeinschaftswährung die zur Wochenmitte erzielten Gewinne wieder abgegeben. Am Mittwoch kletterte der Eurokurs im Hoch auf 1,2128, nachdem die UBS die Einführung negativer Zinsen auf Franken-Einlagen bekannt gab. Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag im Rahmen ihrer vierteljährlichen Sitzung wenig Neues präsentierte, ging es für den Euro wieder bergab.

Im Grunde hängt die Geldpolitik der SNB ohnehin seit langem Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB). Sollte die EZB im Januar den Leitzinssatz von 0,75 auf 0,50 Prozent senken, würde sie das Angebot von Euros auf dem Devisenmarkt erhöhen, was in der Regel mit einer Wechselkursabwertung einhergeht. Dass die Geldpolitik der Notenbanken trotz Dauerkrise weiterhin die maßgebliche Einflussgröße für Devisenkurse ist, zeigt die Entscheidung der Fed.

Der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) beschloss am Mittwoch ab Januar zusätzlich für 45 Milliarden Dollar im Monat US-Staatsanleihen zu kaufen (QE4). Das geht freilich nur mit einem Anwerfen der Notenpresse. Der Dollar gibt seitdem nach. Gegenüber dem Euro notiert der Greenback derzeit auf 1,3118. Das sind zweieinhalb Cents mehr als am Ende der letzten Woche. Der Dollarkurs CHF fällt von 0,9380 auf 0,9210.

Die SNB kann sich aussuchen, was sie einer Leitzinssenkung der EZB entgegensetzt. Entweder wird sie gezwungen sein den Aufwertungsdruck des Schweizer Frankens durch Euro-Stützungskäufe aufzufangen. Dies würde die Devisenreserven der Nationalbank erhöhen. Der Bestand an Fremdwährung beläuft sich aktuell auf 424,83 Milliarden Franken (ca. 70 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsproduktes).

Im Direktorium der Nationalbank könnte man einen Euro-Schwächeanfall auch versuchen durch die Einführung negativer Einlagenzinsen auszugleichen. Im Gespräch ist sogar ein negativer Leitzinssatz. Der 3-Monats-Libor liegt aktuell bei 0,01 Prozent. Würde die SNB Banken eine Prämie zahlen, damit sich die Kreditinstitute bei ihr Geld leihen, würde sie de facto Inflation importieren.

Man hat weitere Möglichkeiten die Geldpolitik expansiver zu gestalten und Aufwertungsdruck vom Schweizer Franken zu nehmen. Beispielsweise könnte SNB-Präsident Thomas Jordan den Finanzmärkten ein Zinsversprechen anbieten, wie es die Fed seit geraumer Zeit tut. Man könnte versichern die Leitzinsen in den nächsten zwei Jahren extrem niedrig zu lassen.