21.10.12

SNB: „Franken zum Euro immer noch ungewöhnlich stark“


Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt eine verbale Devisenintervention durch. Man hat offenbar bedenken, dass sich die jüngste Abwertung des Frankens gegenüber dem Euro verflüchtigen könnte. SNB-Vizechef Jean-Pierre Danthine lässt es sich nicht nehmen über den Mindestkurs zu plaudern und wagt dabei eine politisch brisante CHF Prognose.

„Derzeit ist der Franken zum Euro immer noch ungewöhnlich stark. Die Erfahrung zeigt, dass sich so eine Überbewertung mit der Zeit korrigiert. In der Zwischenzeit legen wir die Währungsreserven zinsbringend an“, sagte Danthine im Gespräch mit dem „Tagensanzeiger“. Eigentliches Thema des Interviews war die „Too-big-too-fail“ Problematik, unter der die Schweiz wegen ihren zwei Großbanken UBS und Credit Suisse, die eine höhere Bilanzsumme als das Bruttoinlandsproduktes aufweisen, leidet.

Der Euro hat zum Ende der Woche zum Schweizer Franken ein wenig zugelegt. Die Gemeinschaftswährung kletterte von 1,2080 auf 1,2087. Gegenüber dem Dollar hat der Eurokurs hingegen um 0,3 Prozent eingebüßt. Der Euro kostete bei Handelsschluss 1,3022 Dollar. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, er fühle keinen Druck einen Antrag auf Finanzhilfe zu stellen.

Wer auf eine Abwertung des Schweizer Frankens zum Euro setzt, um einen Fremdwährungskredit abzulösen, der sollte auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum hoffen. Diese brisante CHF Prognose wagt Danthine, indem er sagt: „Wenn dagegen nur die schwächeren Mitgliedsländer die Einheitswährung verlassen, wird der Euro tendenziell erstarken.“

Für einen systematischen Mechanismus, der ein Ausscheiden von schwachen Ländern aus dem Euroraum zulässt, plädiert der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn. Einige Länder sind unter dem Euro so teuer geworden, dass es für sie unmöglich sei, im Euro wettbewerbsfähig zu werden, meint Sinn. Sinn ist Entdecker der hohen Leistungsbilanzdefizite, die konsumfreudige Länder wie Spanien der EZB unterjubeln können (Target-Falle).

An das heiße Eisen flexibler Euro-Mitgliedschaften traut sich die Politik bisher nicht heran. Dies könnte sich jedoch ändern, wenn die größten Ablehner eines solchen Systems, Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble im nächsten Jahr aus ihren Ämtern scheiden.