25.09.12

Für SNB-Chef Jordan ist Anstieg EURCHF 1,21 längst nicht genug


„Auch bei 1,20 oder 1,21 gegenüber dem Euro ist der Franken noch hoch, oder sogar überbewertet“, sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, bei einer mit Spannung erwarteten Rede an einem Kongress in Pfäffikon. Es war die erste öffentliche Stellungnahme des SNB-Gouverneurs seit der Loslösung des Euros von 1,20 CHF.

Der Eurokurs kletterte zwischen dem 5. September und dem 17. September 2012 von 1,2010 auf 1,2182 CHF (+1,4 Prozent). Zuletzt notierte das Devisenpaar hälftig bei EUR/CHF 1,2090. Einige Spekulanten hatten darauf gehofft, dass Jordan verbal ein wenig stärker auf die Tube drückt. Beispielsweise hätte er sagen können, dass man aktiv dazu beitragen werde, dass die Überbewertung des Frankens abnehme.

Eine solche zweideutige Aussage hätte die Bereitschaft der Spekulanten auf einen Anstieg beim Euro CHF Kurs zu wetten erhöht. Mutmaßungen über einen zweiten, weichen Mindestkurs, bei 1,21 wären die Folge gewesen. Allerdings will Jordan offenbar gar keine falschen Erwartungen wecken. Er zieht seine Linie der passiven Verteidigung der Untergrenze schnörkellos durch.

Die Überbewertung des Schweizer Franken bei 1,21 pro Euro sollte über die Zeit abnehmen. Er gehe von einer leichten Abschwächung in den nächsten zwei bis drei Jahren aus, sagte Jordan. Bis dahin könnte der faire Wechselkurs, basierend auf der Kaufkraftparität, der aktuell bei EUR/CHF 1,33 liegt, auf 1,28 gesunken sein, meinen Volkswirte.

Euro-Fantasten

„Dennoch ist es weiterhin zu früh für ein Urteil, ob das Schlimmste der Euroraum-Schuldenkrise vorbei ist und der kurzfristige Ausblick für die globale Wirtschaft ist inzwischen weniger positiv als noch vor wenigen Monaten“, kommentierte Jordan die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank zu Staatsanleihekäufen und des deutschen Bundesverfassungsgerichtes zum Rettungsschirm ESM, die zu einer Beruhigung an den Finanzmärkte beigetragen haben.

Die Schweiz sitzt quasi mit den nördlichen Euroländern mit in einem Boot. Entscheidend für den Fortbestand des Euros und des Mindestkurses in den jetzigen Ausprägungen sind Spanien und Italien. Wenn die Spanier ihr Wirtschaftsmodell nach nordeuropäischen Vorbild reformieren und die Italiener im Frühjahr 2013 eine europafreundliche Regierung wählen, könnte der Mindestkurs obsolet werden.

Sollten sich die Südländer nicht als Euro-Fantasten herausstellen und knallhart ihre eigenen Interessen durchsetzen, müsste die EZB die Notenpresse anschmeißen und Staatsanleihen kaufen. Dies würde den Außenwert des Euros verwässern, Inflation stiften und die Krisenbewältigung verschleppen, bis irgendwann die nordeuropäischen Parlamente sagen: „Ihr habt unseren Steuerzahlern jetzt genug zugemutet.“