02.08.12

Eurokurs klettert auf 1,2027 CHF: Man will den großen EZB-Wurf

Aus purer Vorfreude auf Mario Draghi klettert der Euro gegenüber dem Schweizer Franken auf den höchsten Stand seit vier Wochen. Der Eurokurs steigt von 1,2010 auf 1,2027 CHF. Alles schaut auf die Europäische Zentralbank (EZB). Diesmal geht um Käufe von Staatsanleihen. EZB-Chef Mario Draghi scheint die von ihm geweckten Erwartungen kaum erfüllen zu können.

„Und glauben sie mir, das wird genug sein“, sagte Draghi in der letzten Woche bei einer Konferenz in London. Die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Verschiedene Zeitungen berichten, dass der Italiener zusammen mit dem Rettungsschirm EFSF auf den Anleihemärkten massiv intervenieren möchte. So soll der EFSF Staatsanleihen von Spanien und Italien direkt bei der Platzierung abnehmen.

Die EZB würde gleichzeitig auf Sekundärmarkt ihr Ankaufsprogramm (SMP), das sie im März 2012 beendete, wieder aufnehmen. Dadurch würde sich die „Feuerkraft“ erhöhen. Die Zinsen in Südeuropa fielen und die Risikobereitschaft würde sich verbessern. Von einer solchen Entwicklung dürfte der Eurokurs kurzfristig profitieren und so könnte er es sich in einer Range zwischen 1,2020 und 1,2035 CHF gemütlich machen.

Bazooka

Allerdings scheint Draghis Plan nicht aufzugehen, weil Staatsanleihekäufe durch den EFSF ein Hilfegesuch erfordern. Ein solches Bittstellen will Spanien und Italien auf jeden Fall vermeiden, da es mit Auflagen verbunden wäre. Wenn die kombinierte „Firepower“ heute nicht kommen sollte, könnte dies zu einer großen Enttäuschung und einem Ausverkauf an den Aktienmärkten führen.

Zwei Ersatzpfeile und eine Bazooka hat Draghi. Die EZB könnte den ihr angeschlossen Notenbankern erlauben, Unternehmensanleihen von Banken zu kaufen, um den Teufelskreis zwischen Staatsschuldenkrise und Bankenkrise zu durchbrechen. Darüber hinaus könnte die EZB über Dreijahres-Kredite die Märkte mit Liquidität voll pumpen. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich, weil die Zentralbank das letzte Programm noch nicht ausgewertet hat.

Bei der Bazooka-Lösung würde die EZB den Leitzins auf einen Schlag auf 0 oder 0,25 Prozent senken. Gleichteig fiele der Einlagenzins ins negative Terrain. Die seit Monaten sinkende Inflationsrate würde dies durchaus zulassen. Allerdings scheint die EZB zu unpragmatisch, um einen solchen Schritt zu wagen. Aktuell liegt der Leitzins bei 0,75 Prozent, die Teuerung beläuft sich auf 2,4 Prozent.