08.07.12

„Mindestkurs kompromisslos verteidigen“, sagt Schneider-Ammann

Durch die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins von 1,00 auf 0,75 Prozent zu senken, bleibe der Aufwertungsdruck beim Franken bestehen und dürfte sogar noch größer werden, sagte der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider- Ammann in einem Gespräch mit der „Sonntagszeitung“.

„Umso wichtiger ist es, dass sie (die Nationalbank) den Mindestkurs trotzdem und kompromisslos verteidigt. Das wird sie auch tun“, erläuterte Schneider-Ammann, der sich offenbar sehr stark um eidgenössische Exportunternehmen sorgt. Er lehnt eine schrittweise Absenkung der Untergrenze, die seit September 2011 bei 1,20 liegt, entschieden ab, auch um zu verhindern, dass der Arbeitsmarkt die Zeche zahle.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verringerte am vergangenen Donnerstag den Leitzinssatz im Euroraum um 0,25 auf 0,75 Prozent und den Einlagenzins von 0,25 auf 0,00 Prozent. Schaut man sich die Entwicklung des 3-Monats-Euribors an, dann dürfte in Kürze die Leitzinsentwicklung auf 0,50 Prozent fallen.

EZB-Leitzins (grün), Euribor Entwicklung (orange). Bild: Bloomberg

Die Euribor Entwicklung sank zwischen Anfang November 2011 und Anfang Juli 2012 von 1,585 Prozent auf 0,549 Prozent. Der Geldmarktsatz spiegelt die Zinserwartungen und die Bereitschaft der Banken sich gegenseitig Geld zu leihen wider. Normalerweise befindet sich der 3-Monats.Euribor ein wenig über dem Leitzinssatz.

Unterdessen bringt das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure einen negativen Einlagenzins in Gespräch. Dies sei eine „theoretische Möglichkeit“, welche derzeit jedoch nicht auf der Tagesordnung stehe, sagte Coeure in einem Bloomberg-Interview. Wenn die EZB die Geldschleusen weiter öffnet und sich die Schuldenkrise nicht abschwächt, bliebe der Aufwertungsdruck des Frankens gewaltig, meinen Devisenexperten.