08.06.12

Mindestkurs nicht aufgeben, sagt Ex-Deutsche Bank Chefvolkswirt

Der umstrittene Euro Mindestkurs der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei 1,20 pro Franken gewinnt einen Befürworter. Thomas Mayer, der unter Josef Ackermann Chefvolkswirt der Deutschen Bank war, spricht sich für die Beibehaltung der Untergrenze aus. Wenn die SNB den Mindestkurs aufgeben sollte, käme sie „bloß vom Regen in die Traufe“, sagte Mayer im Gespräch mit cash.ch.

„Ein kleines Land wie die Schweiz hat heute einfach nicht mehr die Möglichkeit, eine unabhängige Geldpolitik zu verfolgen und monetäre Souveränität durchzusetzen“, stellt Mayer fest. Damit spielt der in die Forschung zurückkehrende Ökonom darauf an, dass die Nationalbank im Grunde das gleiche machen muss wie EZB, Fed und Bank von England, nämlich die Geldschleusen weit öffnen.

Täte sie dies nicht, würde die SNB das Wirtschaftswachstum durch einen enorm starken Schweizer Franken abwürgen. Das Ganze würde in einer Deflationsspirale enden, wie man sie in Japan beobachten konnte. Um dies zu verhindern, nehmen die Eidgenossen auch die Bildung einer Immobilienblase in Kauf.

Wie sehr sich die Unsicherheit im Bezug auf den Außenwert des Schweizer Frankens auf das Verbrauchervertrauen und die Planungssicherheit von Unternehmen auswirkt, wurde im August/September 2011 sichtbar. Damals fiel der Eurokurs auf 1,0075 CHF. Gleichzeitig sank die Industrieproduktion in der Eidgenossenschaft um -2,0 Prozent. Die Detailhandelsumsätze gingen um -1,9 Prozent zurück.

Nachdem sich die unternehmerische Planungssicherheit durch die Einführung der Untergrenze erhöhte, stieg die Industrieproduktion im Schlussquartal 2011 um +7,9 Prozent. Die Umsätze bei den Detailhändlern kletterten im November 2011 um +1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.