05.04.12

Dicke Osterüberraschung für die Schweizerische Nationalbank

Zu Ostern geht es nicht nur an den Tankstellen regelmäßig hoch her mit Rekordspritpreisen für Benzin und Diesel. Auch an den Finanzmärkten kommt es zu faustdicken Überraschungen. Im letzten Jahr kletterte der Silberpreis am Ostermonat auf 49,84 Dollar je Feinunze und markierte ein 31-Jahreshoch. Dieses Jahr wird am Gründonnerstag der Mindestkurs der Schweizerischen Nationalbank ausgehebelt.

Auf der EBS-Handelsplattform blinken kurz vor Mittag Eurokurse von 1,1990 CHF auf. Damit wird das Versprechen der Schweizerischen Nationalbank (SNB), nämlich keine Wechselkurse unter der Marke von 1,2000 tolerieren zu wollen, zur Makulatur. Allerdings solle man den kurzzeitigen Taucher auf EUR/CHF 1,1990 auch nicht überbewerten. Die SNB sei ja weiterhin bereit unbegrenzt ausländische Devisen zu kaufen, sagt der Devisenexperte Adrian Schmidt von Lloyds.

Mindestkurs-Hardliner, die womöglich durch den Absturz auf EUR/CHF 1,1990 Geld verloren haben, sehen die Glaubwürdigkeit und Integrität der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nachhaltig beschädigt. Gleichzeitig wird dem Schweizer Bundesrat vorgeworfen am Bruch der Wechselkursuntergrenze eine Mitschuld zu tragen. Die Volksvertreter haben bisher keinen Nachfolger für den SNB-Chefposten ernannt.

Spitz auf Knopf

Unterdessen stellt sich heraus, dass die Verletzung der Untergrenze weder auf eine spekulative Attacke noch auf einen erhöhten Euro-Verkaufsdruck im Zuge der Schuldenkrise zurückgeführt werden kann. Die Nationalbank hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Kleinere Banken, die nicht direkt mit der SNB Devisengeschäfte betreiben, haben offenbar ein Loch im Devisensystem gefunden, sagt der UBS-Devisenexperte Thomas Flury von der UBS auf cash.ch.

So konnten sich kleinere Banken, ohne Aufsicht der SNB, das Devisenpaar Euro-Franken so lange gegenseitig zuspielen, bis der Mindestkurs brach. Damit haben sie Kommissionen eingenommen, weil in der Regel viele Stop-Loss Aufträge an psychologische Marke wie EUR/CHF 1,2000 platziert werden. Das Ganze wäre vermeidbar gewesen, wenn Intererims-Präsident Thomas Jordan den Eurokurs nicht so dicht an den Mindestkurs hätte herankommen lassen.

Allerdings hat Jordan „Spitz auf Knopf“ gespielt und steht nun im Endeffekt als Verlierer da. Es bleibt abzuwarten, ob die wenige Minuten dauernde Verletzung des Mindestkurses Auswirkungen auf seine Bewerbung als permanenter Chef der Nationalbank hat. Jordan betonte stets in der Öffentlichkeit, Wechselkurse unter 1,2000 nicht zu tolerieren. Nun hat er sie, wenn auch nur für wenige Augenblicke, doch toleriert.