07.03.12

Die Nationalbank dreht den Spiess um und kauft Schweizer Franken

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verringert ihre Fremdwährungsbestände und überrascht damit die Analysten-Gilde. So sinkt der Gegenwert der Devisenreserven von 229,4 auf 224,9 Milliarden Franken. Die eidgenössischen Währungshüter treten mittlerweile am Devisenmarkt als Käufer ihrer eigenen- und als Verkäufer von Euro-Währung auf.

Dadurch lassen sich die Mikrobewegungen des EUR/CHF Devisenpaares in unmittelbarer Nähe des Mindestkurses von 1,2000 erklären. Aktuell steht der Eurokurs bei 1,2055 CHF und kommt kaum vom Fleck. Unterdessen rast die Euro Dollar Entwicklung von 1,3485 auf 1,3102 (-2,84 Prozent) nach unten, während der Dollarkurs CHF von 0,8935 auf 0,9195 (+2,91 Prozent) klettert.

SNB Devisenreserven (in Milliarden Sfr)

Die Fremdwährungsbestände der Nationalbank befinden sich bereits seit Herbst 2011 auf dem absteigenden Ast. In den letzten fünf Monaten sank der Gegenwert ausländischer Devisenreserven von 282,4 auf 224,9 Milliarden Franken (-20,36 Prozent). Durch die Verkleinerung der Bilanzsumme will der interimistische SNB-Chef Thomas Jordan offenbar langfristige Inflationsrisiken bekämpfen.

Sein Vorgänger Philipp Hildebrand, der wegen umstrittenen Devisentransaktionen seiner Frau Kaysha Hildebrand im Januar 2012 zurücktreten musste, war ein Verfechter von aggressiven Deviseninterventionen. So schaffte es Hildebrand den Eurokurs im Dezember 2011 zeitweise über 1,24 CHF zu befördern. Er musste dafür jedoch ein Anschwellen der Fremdwährungsbestände von 229,3 auf 254,2 Milliarden Franken in Kauf nehmen.

Aktuell bestehen zwar keine Inflationsgefahren sondern Deflationsrisiken. So liegt die Schweizer Teuerung bei -0,8 Prozent. Allerdings hat Jordan offenbar Angst, dass die von der Nationalbank zur Franken-Abschwächung geschaffene Liquidität auf Sicht von ein bis drei Jahren beginnt in die Realwirtschaft einzusickern. Dies könnte sodann Teuerungsraten von deutlich über +2,0 Prozent zur Folge haben.