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17.11.14

Mindestkurs schlägt Simmvolk blutige Nase

Der Schweizer Franken ist so beliebt, dass man im Ausland gar nicht genug bekommen kann. Nun hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) aufs Neue ihre Notenpresse angeworfen. Sie verhindert ein Abtauchen des Euros unter 1,20 Franken. Damit das dauerhaft so bleibt, dürften die Schweizer als nächstes mit einer Mindestkurs-Abgabe zur Kasse gebeten werden.

Aktuell notiert der Euro bei 1,2010 Franken. Weiter kann er nicht fallen. Zwischen EUR/CHF 1,2000-1,2010 befindet sich der rote Bereich. Einem Bericht der Zeitung "Schweiz am Sonntag" zufolge gab es am Freitag einen Kaufauftrag von 500 Millionen Euro zu einem Kurs von 1,2016 Franken. Dahinter könne eigentlich nur die Schweizerische Nationalbank stecken.

"Marktteilnehmer haben einmal versucht, den Franken zu attackieren. Sie haben sich aber eine blutige Nase geholt und hohe Beträge verloren. Seitdem hat das niemand mehr gewagt", erklärt der Schweizer Ökonom Rudolf Strahm in Bezug auf die Verteidigung des Mindestkurses im Frühjahr und Sommer 2012.

Er habe für solche Behauptungen nicht die geringsten Beweise. Das sei blanker Populismus, sagen Kritiker. Vor zwei Jahren seien Spekulanten nicht am Werk gewesen. Dies zeigten unter anderem die extrem niedrigen Handelsvolumina, als der Euro an der Untergrenze festklebte. Vielmehr wäre es die Krise im Euroraum gewesen.

Dass sich Markteilnehmer eine blutige Nase geholt und hohe Beträge verloren hätten, sei ein schönes Bild, das der frühere Politiker Strahm da gewählt habe. Sein Ziel: Mehr Unterstützung für die Mindestkurspolitik aus der breiten Öffentlichkeit zu bekommen.

Zum Thema: Ablaufdiagramm zur Verteidigung des Mindestkurses

Die Schweizer Politik bereitet das Stimmvolk offenbar darauf vor, dass es demnächst eine Abgabe für den Mindestkurs direkt von seinen Sparkonten abgebucht bekommt. Konkret geht es um die Einführung von negativen Zinsen auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Damit würde die SNB der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) etwas entgegensetzen.

Geschäftsbanken dürften die Kosten an die Sparer weiterreichen. Die von einem Negativzins betroffenen Sichteinlagen von mehr als 300 Milliarden Franken entsprechen ca. 40 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im Euroraum, wo es bereits einen Negativzins gibt, liegt das Verhältnis lediglich bei 15 Prozent.

Anders als in Deutschland blieben damit in der Schweiz Negativzinsen auf Sparguthaben nicht die Ausnahme. Als erste Bank in Deutschland verlangt die Skatbank seit dem 1. November einen Negativzins auf hohe Spareinlagen.