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17.01.14

SNB-Chef Jordan kopiert Merkels-Zauderei

Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fehlt eine klare Linie. Weil sich SNB-Chef Jordan über eine Zwickmühle echauffiert, in die er die 108-jährige Notenbank selbst hinein manövrierte, steigt an den europäischen Devisenmärkten die Unsicherheit. Das Ergebnis: Der Schweizer Franken nimmt dem Euro mühsam erarbeitete Gewinne wieder weg.

Gegenüber dem Franken ist der Euro für seine Verhältnisse zuletzt recht deutlich gesunken. Das Währungspaar fiel in wenigen Stunden von EUR/CHF 1,2375 auf 1,2315. Die Talfahrt beschleunigte sich, nachdem SNB-Präsident Thomas Jordan bei einer Rede in Zürich auf ein Dilemma hinwies, das er im Zauderei-Stil der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gedenkt zu lösen.

"Am Hypothekar- und Immobilienmarkt entwickeln sich Ungleichgewichte, die ein Risiko für die Finanzstabilität bilden", sagte Jordan. Die immer größer werdende Immobilienblase könne man durch höhere Zinsen bekämpfen. Eine Anhebung der Leitzinsen würde jedoch das Preisstabilitätsmandat der SNB verletzten. Soll heißen: Die Gefahren einer Deflation würden steigen.

Es wird noch ein weniger komplizierter: Die Nationalbank hat bereits im August 2013 deutlich gemacht, dass man zunächst den Euro-Mindestkurs abschaffen werde. Erst danach könne es zu einer Leitzinserhöhung kommen.

(Weiterlesen: Schweizerische Nationalbank skizziert Mindestkurs-Ausstieg)

Vielleicht hat sich die Nationalbank schon klammheimlich von dem Mindestkurs verabschiedet. In Jordans Redetext findet sich keine Passage, die besagt, dass man die Untergrenze bedingungslos verteidigen werde. Darüber hinaus fällt auf, dass Jordan stets die Vergangenheitsform benutzt, wenn er über die Durchsetzung des Mindestkurses spricht.

Die Zauderei könnte für die SNB zum Problem werden, wenn sei dazu führt, dass die 1,20er Untergrenze ausgetestet wird. Viele Marktteilnehmer würden eine Forward Guidance begrüßen. Um Klarheit zu schaffen, könnte Jordan sagen, dass man von der Mindestkurspolitik abweichen werde, alsbald die jährliche Teuerung in der Schweiz auf 1,0 Prozent gestiegen ist.

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