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29.09.13

Italien ist für den Euro Russisches Roulette

Nun dürfte es für den Euro noch enger werden. Italiens Regierung steht vor dem Aus. Alle fünf Minister der Berlusconi-Partei PdL haben ihren Rücktritt angekündigt. Am Devisenmarkt besteht die akute Gefahr, dass der Eurokurs zum Wochenauftakt das Tief vom Freitag bei 1,2235 Franken unterbietet. Derweil erhält Rom eine Rüge für seinen Pseudo-Reformkurs vom Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die europäische Gemeinschaftswährung sank in den zurückliegenden zweieinhalb Wochen von 1,2415 auf 1,2235 Schweizer Franken (-1,45%). Weil die Stärke des Schweizer Frankens nicht in den Griff zu bekommen ist und aus charttechnischer Sicht die Zeichen nach unten zeigen, droht ein Absturz auf das Februar-Tief bei 1,2117.

Italien ist ein politisches Tollhaus, das sich jeglichen Reformen verweigert. Berlusconi scheint nur die Spitze des Eisberges zu sein. Der Medienmogul lässt die große Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei (PD) von Ministerpräsident Letta platzen. Hintergrund soll der Streit über den Ausschluss Berlusconis aus dem Senat sein wegen seiner Verurteilung als Steuerstraftäter sein.

Lettas Luftbuchungen

Der Weltwährungsfonds mahnt Italien derweil zum x-ten Mal seinen Arbeitsmarkt und Dienstleistungssektor zu deregulieren. Auch das Justizsystem soll effizienter werden, fordert der IWF, der seine Wachstumsprognose für 2014 von 1,3 Prozent auf unter ein Prozent eindampfte. Für das laufende Jahr rechnet der IWF mit einer Schrumpfung der italienischen Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent.

Italien ist das reformresistente Land Europas. Die renommierteste Bank des Landes warnte bereits vor zwei Monaten vor der prekären Lage. Die vom IWF und der EU-Kommissionen geforderten Reformen ignoriert Letta seit seinem Amtsantritt. Anstatt den Stiefelstaat Strukturreformen als Medizin zu verabreichen, lehnt sich die italienische Regierung zurück. 2014 werde seine Mission Eurobonds heißen, sagte Letta am Donnerstag bei einer Rede an der Columbia University in New York.

Auf mittlere Sicht sinken Italiens Chancen für eine Euro-Mitgliedschaft, weil es keine politische Kraft gibt, die sich traut, etwas zu verändern. Als drittgrößte Volkswirtschaft ist man überdies zu groß für ein Rettungspaket aus Brüssel.

Die Italiener würden sich selbst und den anderen Euroländern wahrscheinlich den größten Gefallen tun, wenn sie die Lira wieder einführten, ein zweijähriges Moratorium für die Tilgung ihrer Schulden mit den Gläubigern vereinbarten und danach den Schuldendienst unter Zuhilfenahme der sodann entstandenen Exportüberschüsse wieder aufnähmen.