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03.03.13

Italien will den Schuldenschnitt! Wie reagiert der Euro?

Die stärkste Partei Italiens fordert einen Schuldenschnitt für ihr Land. Der Gründer von "Fünf Sterne", der Komiker Beppe Grillo, will den Besitzern von italienischen Staatsanleihen die rote Karte zeigen. Bislang hat sich der Euro CHF Kurs von dem Gerede nicht beeindrucken lassen. Die Gemeinschaftswährung schloss am Freitagabend bei 1,2280 Schweizer Franken.

"Wir werden erdrückt - nicht vom Euro, sondern von unseren Schulden", sagte Grillo dem deutschen Magazin "Focus". "Wenn ich Aktien einer Gesellschaft gekauft habe, die bankrott geht, dann habe ich eben Pech. Ich habe riskiert - und verloren. Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot. Es gibt da keine Alternativen."

Italien schiebt einen Schuldenberg von rund zwei Billionen Euro vor sich her. Damit ist man nach den USA und Japan der drittgrößte Schuldner der Welt. Allerdings gilt die italienische Wirtschaft bei weitem nicht so wettbewerbsfähig und innovativ wie die amerikanische und japanische. Für Italien sollen sich die Bedingungen ändern, sonst müsse man zur Lira zurückkehren, sagte Grillo.

Damit spielt der vom deutschen Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) als Clown verspotteten Komiker den Ball der Eurozone zu. Grillo sieht augenscheinlich kein Bedarf durch strukturelle Reformen und eine Senkung der italienischen Staatsquote mehr Wachstumspotential freizusetzen, um den Schuldenberg kontrollierbar zu machen. Reformresistenz ist auch bei seinen Konkurrenten Silvio Berlusconi und Pier Luigi Bersani zu erkennen.

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen orientieren sich derweil wieder nach oben. Zehnjahrespapiere rentieren gegenwärtig bei 4,84 Prozent nach 4,13 Prozent im Januar. Bisher nimmt man Grillos Radau an den Finanzmärkten nicht ernst, weil Vieles an sein griechisches Pendant, den Linksradikalen Alexis Tsipras, erinnert.

Der italienische Komiker genießt offenbar die Medienpräsenz und könnte schon bald wieder in der Versenkung verschwinden. Darauf dürften Banken und Versicherungen hoffen, die italienische Staatsanleihen in großen Beständen in ihren Depots haben.