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25.02.13

Euro auf 1,2325 CHF – Berlusconi kann Italien nicht versenken

Der Eurokurs klettert über die Marke von 1,23 Schweizer Franken. Am Montagnachmittag notiert die Gemeinschaftswährung im Hoch bei 1,2325 CHF. Italien hat so gewählt, wie es die Finanzmärkte und die EU wollten. Der Zinsschreck Silvio Berlusconi hat es nicht geschafft. Neuer italienischer Ministerpräsident wird voraussichtlich der Spitzenkandidat des Mitte-Links-Bündnis Pier Luigi Bersani.


Die nicht von Berlusconi kontrollierte Medienlandschaft hatte vor den Wahlen damit kolportiert, dass der Medienzar Italien versenken wolle. Hätte er gewonnen, wären die Zinsen für italienische Zehnjahrespapieren womöglich Richtung sechs Prozent gestiegen. Wegen des Wahlsiegs von Bersani ist es naheliegend, dass die Zinsen fallen. Die Zehnjährigen geben von 4,46 auf 4,20 Prozent nach.

Währungsanalysten haben in den vergangenen Jahren einen statistischen Zusammenhang zwischen der Zinsentwicklung von Staatsanleihen klammer Euroländer und dem Eurokurs CHF entdeckt. Wenn die Zinsen steigen, fällt der Euro zum Schweizer Franken. Bei einem Zinsrückgang kann die Gemeinschaftswährung oftmals aufwerten.

Zeitbombe

Derzeit sieht es danach aus, dass Berlusconi nicht nur im Abgeordnetenhaus eine Wahlschlappe erhalten hat. Auch im italienischen Senat sagen Demoskopen Berlusconi keine Mehrheit voraus. Bersani könnte, eventuell unter Einbeziehung der Partei von Mario Monti, durchregieren. Ob es wirtschaftsfreundliche Reformen nach dem Gusto der EU-Kommission geben wird, ist allerdings vollkommen offen.

Ökonomen mahnen die Südländer seit langem dazu Arbeitsmarktreformen durchzuführen, um die steigenden Jugendarbeitslosigkeiten zu bekämpfen. Bersanis linke Parteifreunde sperren sich jedoch gegen jegliche Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Sie wollen die Privilegien der älteren Generation nicht anrühren.

"In Italien sind ältere Arbeitnehmer komplett abgeschottet von der Konjunkturlage", stellt der Ökonom Oliver Hutengs von der Europa-Universität Viadrina nach einem Bericht der Zeitung "Welt" fest. Die Jugend in Südeuropa leidet nach seiner Einschätzung am stärksten unter der Schuldenkrise. In Deutschland und Österreich genießen ältere Arbeitnehmer wegen flexibleren Arbeitsmärkten weniger Privilegien.