28.5.15

EZB-Interventionisten fackeln nicht lange

Der Eurokurs steht bei 1,0350 Franken auf wackligen Beinen. Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich besorgt über Zinsanstiege in Italien und Spanien. Ihr massives Kaufprogramm von Staatsanleihen droht zu verpuffen. Die von Interventionisten gelenkte Notenbank macht keinen Hehl daraus, dass sie den Bullen an den Börsen den roten Teppich ausrollt.

Aktuell tanzen die Finanzmärkte nicht nach der Pfeife von EZB-Präsident Mario Draghi und seinem Vize Vitor Constancio. Die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen aus Italien und Spanien stehen kurz davor die Zweiprozentmarke zu erklimmen. Deutsche Bundesanleihen sinken hingegen von 0,72 Prozent auf 0,53 Prozent. Den Währungshütern ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge.

"Doch ohne eine rasche Vereinbarung (zwischen Griechenland und seinen Geldgebern) über die notwendigen strukturellen Maßnahmen besteht die Gefahr, dass sich die geforderten Risikoprämien für Staatsanleihen anderer gefährdeter Staaten der Eurozone erhöhen könnten", schreibt die EZB in ihrem halbjährlich veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht.

Sicherer Hafen

Der Zinsrückgang in Deutschland zeigt, dass Investoren nach einem sicheren Zufluchtsort suchen. Der Zinsanstieg in Italien und Spanien ist bemerkenswert, weil die EZB als großer Käufer dieser Papiere börsentäglich in Erscheinung tritt. Obwohl die Notenbank die Anleihen kauft, bleibt ihnen aber ein Zinsrückgang verwehrt.

Die auseinander laufende Zinsentwicklung führt zu einem Comeback eines altbewährten Zusammenhangs: Der Euro-Franken-Kurs sinkt, während die Zinsen in Südeuropa steigen.

Es gebe derzeit keine Überwertung an den Finanzmärkten, streicht Constancio heraus. Als großes Risiko bezeichnet der Notenbanker die Möglichkeit von Kurskorrekturen. Sie könnten zu Kapitalverlusten führen und eine aufkommende Konjunkturerholung stören.

Damit bestätigt sich der Eindruck, dass die Europäische Zentralbank jeglichen Kurskorrekturen an den Anleihe- und Aktienmärkte durch eine noch expansivere Geldpolitik verhindern wird. Die unlängst beschlossene Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen im Mai und Juni könnte erst der Anfang gewesen sein.

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