08.02.15

Schweiz will ihren Franken vom "Überschiessen" abhalten

Obwohl sich der Euro in den vergangenen Wochen von 0,86 Franken auf 1,05 Franken erholte, ist die Gemeinschaftswährung nach Ansicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) immer noch deutlich unterbewertet. SNB-Chef Thomas Jordan spricht von einer "überschiessenden" Frankenstärke. Die Schweizer Gewerkschaften attackieren den Nationalbank scharf. Sie fordern einen neuen EUR/CHF-Mindestkurs bei 1,30.

"Wir sagen nichts zu unseren Transaktionen am Markt. Aber es kann ganz klar festgestellt werden, dass der Schweizer Franken immer noch überschiesst; er ist im Moment stark überbewertet. Aber es kann davon ausgegangen werden, dass über die Zeit eine solche Überbewertung auch wieder korrigiert wird", sagte Jordan im Schweizer Radio (SRF).

Die SNB hat im Januar etwa 58 Milliarden Franken eingesetzt, um am Devisenmarkt zu intervenieren. Hätte man den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken beibehalten, wären Interventionen von 100 Milliarden Franken notwendig gewesen, rechnet Jordan vor. Man habe den Mindestkurs auch aufgehoben, um die Kontrolle über die von Euro-Stützungskäufen aufgeblähte SNB-Bilanz zu behalten.

Krisenangst

Die SNB müsse den Franken wieder "auf ein tragbares Niveau bringen, das die Löhne und die Arbeitsplätze schützt", fordert der Schweizer Gewerkschaftsbund (SGB). Tue sie das nicht, verwandle sich der Entscheid den Mindestkurs aufzugeben zu einer der größten wirtschaftspolitischen Fehlleistungen der vergangenen Jahrzehnte, meint der Verband. SGB-Chefökonom Daniel Lampert sieht einen fairen Wechselkurs, also jenen der realwirtschaftlich gerechtfertigt wäre, bei EUR/CHF 1,30.

Am Devisenmarkt geriet der Euro gegenüber dem Schweizer Franken zuletzt wieder unter Verkaufsdruck, nachdem sich die Krise in der Ukraine dramatisch zuspitzte. Hinzu kommt die sture Einstellung der griechischen Regierung, die sich an die von den Vorgängerregierungen mit der Eurogruppe unterzeichneten Reform- und Sparverträge nicht halten will. Der Eurokurs sank von 1,0640 Franken auf 1,0455 Franken.

Aus fundamentaler Sicht hätte die Gemeinschaftswährung durchaus das Potential sich auf 1,10 Franken vorzutasten, da sich die Wirtschaftsperspektiven für den Euroraum beginnen aufzuhellen. Die EU-Kommission erhöhte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,1 Prozent auf 1,3 Prozent. Für 2016 rechnet die Brüsseler Behörde mit 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum. Das sind 0,2 Prozent mehr als bisher.