18.02.15

Schweiz will Euro auf 1,10 CHF überschiessen lassen

Der Euro-Franken-Kurs steigt über 1,07. Antriebsfeder ist die Schweizer Notenbank. Sie weist auf eine Überbewertung des Frankens hin. Das ist insofern interessant, weil der Euro inzwischen zehn Prozent zugelegt hat. Ein Drittel der Finanzmarktexperten prognostiziert eine Fortsetzung des Anstiegs.


Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, spricht bei einem Vortrag in Brüssel von einem "signifikant überbewerten" Schweizer Franken. Der Ende Januar 2015 einsetzende Anstieg des Euro von 0,9745 Franken auf aktuell 1,0701 Franken (+9,81 Prozent) reicht dem obersten Währungshüter der Schweiz offenbar nicht aus.

Jordans Aussagen deuten darauf hin, dass die SNB mit einer Zunahme des Wechselkurses auf EUR/CHF 1,10 liebäugelt. Derweil zeigt die Entwicklung der Konjunkturerwartungen, dass die Schweizer Wirtschaft einen solchen Anstieg bitter nötig hätte.

Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Credit Suisse erhobene Finanzmarkttest bricht so stark ein wie noch nie in seiner Geschichte. Der Indikator, der die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten auf Sicht von sechs Monaten widerspiegelt, sinkt von -10,8 Punkten im Januar 2015 auf -73,0 Zähler im Februar 2015.

"Dieser massive Einbruch belegt, dass die Befragten nach der Aufhebung der Untergrenze für den EUR/CHF-Wechselkurs für die Schweizer Konjunktur mehrheitlich eine eindeutige Verschlechterung im Vergleich zur gegenwärtigen Situation erwarten", sagen ZEW und Credit Suisse.

Im Rahmen des Finanzmarkttest gaben die Experten auch über die künftige Entwicklung des Euro-Franken-Kurses eine Prognose ab. 32,4 Prozent rechnen mit dem von der SNB favorisierten Anstieg des Wechselkurses, 21,4 Prozent erwarten einen Rückgang. 45,9 Prozent sagen, dass der Kurs auf dem aktuellen Niveau bleibe.