10.01.15

Ich mal mir die Mindestkurs-Welt wie sie mir gefällt

Ökonomen arbeiten sich am Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken ab. Wirtschaftswissenschaftler zanken sich über den Wechselkursboden. Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe, und so sind die Aussagen der Experten kritisch zu hinterfragen, zumal ihre Szenarien in der Regel so ausgelegt sind, dass sie ihren Arbeitgebern in die Hände spielen.

Fünf Volkswirte, sechs verschiedene Meinungen. Dieses gängige Vorurteil bestätigt der Chef-Ökonomen Willem Buiter von der Citigroup in einem Interview mit der Handelszeitung. Zunächst stellt Buiter fest, dass die Schweizer Währung immer noch überbewertet sei. Danach sagt er, würde man den Mindestkurs abschaffen, käme es einem Absturz des EUR/CHF-Kurses.

Einwand: Angenommen die Schweizer Währung sei überbewertet, worüber sich trefflich streiten lässt, müsste der Euro doch gegenüber dem Franken steigen.

"Es wäre höchste Zeit, dass die SNB die Kursuntergrenze aufgibt und den Franken wieder in den freien Markt entlässt", sagte Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank, der gleichen Zeitung. "Ein Wegfall der Untergrenze ließe den Franken schnell aufwerten."

Buiter spricht sich für einen Beibehaltung und notfalls ein sehr viel stärkeres Eingreifen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus, während Jakobsen genau das Gegenteil will.

Bei Jakobsens Arbeitgeberin, der Saxo Bank, handelt es sich um einen Online-Devisenhändler, bei dem die Kasse klingelt, wenn Wechselkurse stark schwanken. Aus diesem Grund dürfte man bei der Saxo Bank der Mindestkurspolitik der Schweizerischen Nationalbank nicht gerade mit Wohlwollen gegenüber stehen.

Buiters Citigroup würde wohl am meisten profitieren, wenn Griechenland auf Kosten der nordeuropäischen Euroländer, allen voran Deutschland, im Euroraum gehalten wird. So wirft der Chefökonom Bundeskanzlerin Angela Merkel unverhohlen vor, sie würde mit einem Grexit nur bluffen und wolle die Wahl in Griechenland beeinflussen.

Auch mit dieser Analyse könnte er sich verheddert haben. Aus Berliner Regierungskreisen war zuletzt zu hören, dass man einen Wahlsieg des linksgerichteten Syriza-Bündnis etwas Positives abgewinnen könnte, weil damit die etablierten Altparteien, die Griechenland jahrzehntelang abgewirtschaftet haben, weg wären. Ferner dürfte die Bundesregierung begrüßen, dass Syriza den verkrusteten griechischen Arbeitsmarkt lockern möchte.

Das große Ziel der Citigroup scheint darin liegen, dass man Deutschland schwächt, indem man dem deutschen Steuerzahler, der in den letzten 25 Jahren die Wiedervereinigung gestemmt hat, als nächstes Bürgschaften und Finanzhilfen für Südeuropa aufbürdet. Darauf könnte die Citigroup ihr Kreditgeschäft aufbauen.

Ein Grexit, der zu einer kleinen Kernschmelze oder einem reinigenden Gewitter an den Finanzmärkten führen könnte, dürfte man bei der gerade erst vom amerikanischen Steuerzahler und durch Milliardenhilfen aus den Golfstaaten aufgerichteten Citigroup auf jeden Fall vermeiden wollen.