15.01.15

Mindestkurs Schnee von gestern: Worauf es jetzt ankommt

Der Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken landet in der Mottenkiste. Für Fremdwährungskreditnehmer ist der Absturz des EUR/CHF-Kurses von 1,20 auf 1,03 erst einmal bitter, weil sich ihre Restschuld schlagartig um 15 Prozent erhöht. Allerdings kann sich das Blatt sehr schnell wieder wenden, weil die Schweiz ihre Interventionskeule vorsichtshalber auf dem Tisch liegen lässt.

Sehr viel weiter als auf 1,03 Franken darf der Euro aus der Sicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB), und vor allem aus der Sicht des Schweizer Steuerzahlers, gar nicht fallen, wie folgende Rechnung zeigt:

Der Gegenwert der im Zuge Mindestkurspolitik von der SNB angehäuften Devisenreserven beläuft sich derzeit auf 495 Milliarden Franken. Bei 45 Prozent, ca. 222 Milliarden Franken, handelt es sich um Euro-Währungsreserven. Durch den Absturz des Euros von 1,20 auf 1,03 Franken erleidet die SNB einen Verlust von ca. 33 Milliarden Franken.

Nachdem für die SNB das Jahr gerade erst begonnen hat, hat sie nun elfeinhalb Monate Zeit den Verlust von 33 Milliarden Franken abzubauen.

Das bedeutet: Sie kann den Euro in diesem Jahr eigentlich garnicht auf 0,80 Franken fallen lassen, weil sich dann ihr Verlust auf ca. 73 Milliarden Franken verdoppeln würde und sie ein Rettungspaket von Schweizer Steuerzahler in Anspruch nehmen müsste. Ganz zu schweigen davon, dass dauerhafte EUR/CHF-Wechselkurse unter der Parität Pleitewellen und Massenentlassungen in der Schweizer Exportwirtschaft zur Folge hätten.

Trotz der Aufhebung des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken hat die SNB bereits angekündigt am Devisenmarkt aktiv zu bleiben. Die Schweizer werden somit weiterhin Euro-Stützungskäufe durchführen, nur sehr viel verdeckter, als sie es bisher taten. Es ist daher gut möglich, dass der Euro in den kommenden Monaten wieder auf 1,10-1,20 Franken steigt.

Viele Franken-Fremdwährungskreditnehmer, die es sich leisten können Wechselkurse von 1 Euro = 1 Franken ohne Nachbesicherung durchzustehen, könnten daher einen Anreiz habe, an ihrem Franken-Kredit bis zur Fälligkeit, die zumeist 2025 bis 2030 liegt, unvermindert festzuhalten.

In einigen Fällen könnte Banken Nachbesicherungen verlangen. Hier sollte man unbedingt mit der Bank verhandeln, zumal man ein wenig Luft hat. Euro-Kredite zur Konvertierung sind derzeit sehr viel günstiger als im Sommer 2011, als der Eurokurs auf 1,0070 Franken eingebrochen war.

Auch die österreichische Politik könnte sich etwas einfallen lassen: Es kann nämlich nicht sein, dass Banken wie die Hypo Alpe Adria zum Milliardengrab für den österreichischen Steuerzahler werden, und man Häuselbauer, denen Banken einen Franken-Kredit aufgeschwatzt haben, im Regen stehen lässt.