29.07.12

Die Eurozone spielt alle gegen alle: Weltkrieg aus der Mottenkiste

Es geht um aufgeblähte Sozialstaaten, deutsche Kriegsschuld und die Ankurbelung der Notenpresse. Die Schuldenkrise der Euroländer geht diesen Herbst in ihr viertes Jahr. Eine Lösung ist weit und breit nicht in Sicht. Es gibt noch nicht einmal einen Fahrplan zur Weiterentwicklung des Währungsraums. Derweil wird die Kluft zwischen dem Norden- und dem Süden immer größer.

„Er glaube nicht, dass die europäische Gemeinschaftswährung in ihrer jetzigen Form überleben könne, es sei denn alle 17 Euroländer könnten sich auf eine Währungspolitik einigen, sagte US-Investorenlegende Warren Buffet Mitte Juli 2012 in einem Interview mit Finanzkanal Bloomberg TV.

„Deutschland hat wie kein anderes Land von den Exporten innerhalb der EU profitiert. Und wir sollten in der Diskussion auch die Geschichte nicht vergessen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in einer weitaus schwierigeren Situation auch sehr geholfen, viele Länder haben auf Geld zugunsten Deutschlands verzichtet. Das sollte Deutschland nicht vergessen“, erinnert Spaniens EU-Minister Inigo Mendez de Vigo in der „Bild“-Zeitung.

„Wir informieren Investoren über die Risiken. Die bezahlen uns schließlich, anders als bei den großen Agenturen, bei denen die Staaten für die Ratings aufkommen. Aber wir könnten unseren Kunden sicherlich ein besseres Bild bieten, wenn Europa seinen aufgeblähten Sozialstaat zurückschneiden würde“, erläutert Sean Egan, Mitbegründer der US-Ratingagentur Egan Jones in einem Gespräch mit „Welt-Online“.

Die EZB sei eine „Untergrundbank“, die nichts unternehme, um das Schulden-Feuer zu löschen, sagte der spanischen Außenminister José Manuel García Margallo bei einem Treffen von elf EU-Außenministern in Palma de Mallorca. Die Situation sei für Spanien unhaltbar. Die EU brauche einen „Schutzwall, der die Spekulation eindämmen kann“.

„Der Finanzbedarf Spaniens ist kurzfristig nicht so groß, stellt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gegenüber „Welt Online“ fest. „Die hohen Zinsen sind schmerzlich, und sie schaffen eine Menge Beunruhigung - aber die Welt geht nicht unter, wenn man bei einigen Anleiheauktionen ein Paar Prozent mehr zahlen muss.“