06.06.12

Der Ruf nach einem Schweizer Staatsfonds wird wieder lauter

Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) könnte man intelligenter einsetzen. Dies meint der Volkswirt der Großbank UBS, Caesar Lack. Weil Staatsanleihen in puncto Sicherheit nicht mehr das sind, was sie einmal waren, könnte man im Ausland doch auf Shopping-Tour gehen. Norwegen, Singapur, China und einige Golfstaaten haben vorgemacht, wie es geht.

Wenn die SNB morgen offenkund tut, dass ihre Devisenreserven auf schätzungsweise 240-250 Milliarden Franken angeschwollen sind, dann dürfte die Diskussion über einen Schweizer Staatsfonds wieder aufflammen. Das Geld ließe sich doch deutlich besser anlegen. Derzeit hält die Nationalbank den größten Teil, nämlich 82 Prozent, in ausländischen Staatsanleihen, erläutert Lack im Gespräch mit der „Basler Zeitung“.

„Das Argument für die Übergewichtung von Staatsanleihen war ja bisher die Sicherheit solcher Papiere. Allerdings muss man inzwischen feststellen, dass die tiefen Renditen die Risiken eines Teuerungsanstiegs oder eines Währungszerfalls nicht mehr widerspiegeln“, sagt UBS-Ökonom.

Norwegen

Norwegens ca. 400 Milliarden Dollar schwerer Staatsfonds könnte für die Schweiz das Vorbild sein. Der Aktienanteil liegt bei rund 50 Prozent. Es handelt sich um einen reinen Finanzinvestor, der keine Absicht hat in den Aufsichtsräten von Unternehmen zu sitzen. Rechenschaft gegenüber dem Eigentümer, nämlich der norwegischen Bevölkerung, legte der Staatsfonds durch vierteljährliche Berichte und Pressekonferenzen ab.

Kritiker einer Schweizer-Staatsfonds-Lösung verweisen auf den Ursprung des Geldes. Der norwegische Staatsfonds wächst jede Woche um gute eine Milliarde Dollar durch die Einnahmen aus dem Ölgeschäft. In der Schweiz sorgt die Notenpresse für den Anstieg der Devisenreserven. Dieses Kapital ist Teil der Geldpolitik der SNB und könne daher nicht zweckentfremdet werden.