15.05.12

Wirtschaftswachstum Deutschland 2012 überrascht in Q1 mit +0,5%

Deutschlands Wirtschaftswachstum fällt deutlich größer aus als prognostiziert. So expandierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Europas größter Volkswirtschaft im ersten Quartal um +0,5 Prozent, meldet das Statistische Bundesamt. Volkswirte hatten mit einen BIP-Anstieg gegenüber dem Vorquartal in Höhe von +0,1 Prozent gerechnet.

Die frischen Wachstumszahlen aus Wiesbaden stärken die Position der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem mit Spannung erwarteten Treffen mit dem französischen Staatspräsident François Hollande. Europäisches Wachstum auf Pump werde es mit Berlin nicht geben, ist aus Regierungskreisen immer wieder zu hören. Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt, beim Renteneintrittsalter und der Körperschaftssteuer seien die beste Wachstumsmedizin, dürfte die Kanzlerin dem Sozialisten Hollande, der 60.000 neue Staatsbedienstete einstellen will, sagen.

Allerdings wird Berlin voraussichtlich Zugeständnisse machen bei der Verwendung der Mittel, die in den milliardenschweren Struktur- und Kohäsionsfonds der Europäischen Union parat liegen. Darüber hinaus ist im Gespräch das Kapital der Europäischen Investitionsbank um 10 Milliarden Euro aufzustocken und im Rahmen von Public Private Partnerships (PPP) private Investoren anzulocken, sodass sich eine Hebelwirkung der verfügbaren Kreditmittel ergeben würde.

Am Devisenmarkt macht der Euro erste Anstalten sich aus der Abwärtsspirale zu befreien. Gegenüber dem Dollar steigt die Gemeinschaftswährung um +0,42 Prozent auf 1,2868. In den zurückliegenden zwei Wochen fiel das Devisenpaar von EUR/USD 1,3283 auf 1,2814 (-3,53 Prozent). Derweil verharrt der Schweizer Franken bei 1,2010 pro Euro. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, verteidigt den Mindestkurs auf internationaler Ebene.

Verletzt der Mindestkurs – als autonome Krisenmaßnahme – nicht die Spielregeln des IWF? Ist er nicht ein Schritt in Richtung einer kompetitiven Abwertung zur Erlangung von unfairen Wettbewerbsvorteilen? Die Antwort auf diese rhetorische Frage Jordans an sich selbst im Rahmen einer Rede auf dem 45. Energie-Apéro in Zürich: „Ganz klar nein.“ Der Mindestkurs werde als außerordentliche Maßnahme in einer Extremsituation international akzeptiert.