10.05.12

Einsturzgefährdeter Eurokurs durch Bankia und Pleite-Griechen

Am Devisenmarkt hat der Eurokurs einen schweren Stand. Die Beinahe-Pleite des viertgrößten Geldhauses Spanien sowie die Griechenland-Tragödie macht der Gemeinschaftswährung zu schaffen. Gegenüber dem Dollar reißt der Eurokurs die psychologische Marke von 1,30 und fällt auf 1,2912. Das Devisenpaar Euro Franken sinkt auf EUR/CHF 1,2008.

Nicht nur Griechenland sondern auch die spanische Banken sind der Grund für den Absturz des Euros, der in der Vorwoche noch bei 1,3280 Dollar notierte. „Es ist eine Funktion aus griechischer Unsicherheit und Problemen auf den Kreditmärkten Spaniens“, sagte der Devisenexperte Boris Schlossberg von dem Online Broker GFT Forex im Gespräch mit Bloomberg.

Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens kletterten auf 6,10 Prozent. Spaniens viertgrößte Bank, der Sparkassenkonzern Bankia, muss durch den Steuerzahler aufgefangen werden. Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy pumpt 4,5 Milliarden Euro in die unter dem Platzen der Immobilienblase ins Straucheln geratene Bank. Analysten rechnen mit weiteren Geldspritzen von mindestens 10 Milliarden Euro.

Lateinamerika-Linker

Unterdessen bereitet man sich bei der EU in Brüssel und bei der EZB in Frankfurt auf einen Euro-Austritt Griechenlands vor. Das Direktoriumsmitglied der Europäische Zentralbank, Jörg Asmussen, brach ein Tabu und redete erstmals in der Öffentlichkeit über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. „Griechenland muss klar sein, dass es zu diesem vereinbarten Sanierungsprogramm keine Alternative gibt, wenn es Mitglied der Euro-Zone bleiben will“, sagte Asmussen dem „Handelsblatt“.

Selbst wenn es Neuwahlen gibt und die Pro-Bailout Parteien, Neue Demokratie und Pasok, eine wacklige Mehrheit bekommen, sieht es düster aus. Griechenland muss bis zum Ende des Jahres zusätzliche Haushaltseinsparungen in Höhe von 13 bis 14 Milliarden Euro zu Stande bringen, um weiterhin Geld aus den Rettungstöpfen zu erhalten.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass bei Neuwahlen die Partei des Linkspopulisten Alexis Tsipras um gut neun auf 25 Prozent zulegen würde, berichte die Zeitung „Bild“. Tsipras will den Schuldendienst einstellen und das Reformprogramm beenden. Politische Beobachter stufen ihn als Ableger linksnationaler Bewegungen Lateinamerikas ein, wie sie es gegenwärtig in Venezuela, Bolivien und Argentinien gibt.