06.09.11

Katze aus dem Sack: Schweiz legt Euro CHF Mindestkurs auf 1,20 fest


Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht Ernst. So binden die eidgenössischen Zentralbanker den Franken an den Euro und verkünden einen Euro CHF Mindestkurs von 1,20. Die Nationalbank werde den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und sei dafür bereit unbeschränkt Devisen zu kaufen. Der Franken wäre auch bei EUR/CHF 1,20 hoch bewertet, teilt die SNB mit.

Am Devisenmarkt kommt es einer drastischen Euro Kursentwicklung. So klettert die europäische Gemeinschaftswährung von 1,1030 auf 1,2188 Schweizer Franken (+10,5 Prozent). Die Schwankungen der Devisennotierung erreichen einen Höhepunkt. Zuvor fiel der Eurokurs von 1,1970 auf 1,1002 CHF zwischen dem 29. August und dem 2. September 2011 (-8,1 Prozent) und verbuchte den größten Wochenverlust seit der Einführung der europäischen Einheitswährung.

Die turbulente Kursentwicklung dürfte weiter gehen. Wenn sich die Euro-Finanzkrise verschärft, dann wird das natürliche Euro-Abwärtspotential erneut aufkommen. Diesem müsste die Schweizerische Nationalbank (SNB) sodann entgegentreten. Ferner werden Devisenhändler in den nächsten Tagen und Wochen ganz genau beobachten, ab welchen Kursniveaus und zu welchen Tageszeiten die SNB eingreift. Spekulanten könnten sich die Lage zu nutzen machen, weil sie wissen, dass bei EUR/CHF 1,20 ein großer Käufer dauerhaft im Markt ist.

Währungsexperten schätzen, dass die SNB zwischen 200 und 1.000 Milliarden Euro ankaufen muss, um eine abermalige Aufwertung des Schweizer Frankens zu verhindern. Die Erfolgsaussichten für den Mindestkurs bei Euro CHF 1,20 seien sehr ungewiss. Wenn sich Schuldenkrise und Rezessionsängste über einen längeren Zeitraum verschärfen, werde es ganz schwer für die Nationalbank den Eurokurs dauerhaft über 1,20 CHF zu halten.

Darüber hinaus ist die Nationalbank auf sich alleine gestellt und kann auf keine Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) hoffen. Wenn mehrere Notenbanken ein fixes Wechselkurssystem verteidigen, steigen die Erfolgsaussichten deutlich an. Die unilaterale Intervention ist die Achillessehne der Schweizerischen Nationalbank und bietet Angriffspotential für Spekulanten, meinen Devisen-Fachleute.