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27.10.16

Unterschätzen Franken-Kreditnehmer das Zinsrisiko?

Franken-Kreditnehmer in Österreich und Deutschland haben mit der Wechselkursentwicklung ihre liebe Not. Lief der Euro-Motor zu Jahresbeginn, als die Gemeinschaftswährung auf 1,12 Franken stieg, noch rund, ist nun Sand im Getriebe. Inzwischen bekommt man für 1 Euro nur noch etwas mehr als 1,08 Franken heraus. Die Zinsen drohen in einigen Jahren zu einem ähnlichen Fiasko zu werden wie der Frankenkurs.

Für einen Fremdwährungskreditnehmer in Österreich, der Anfang 2000 einen Franken-Kredit im Gegenwert von 200.000 Euro bei einem Eurokurs von 1,50 Franken aufnahm, stellt sich die Lage wie folgt da:

  • Aktuell bringt 1 Euro 1,08 Franken auf die Waage. Die Kreditschuld liegt damit bei rund 278.000 Euro (Wechselkursverlust 78.000 Euro).

  • Als der Euro im Februar 2016 auf 1,12 Franken kletterte, lag die Kreditschuld bei knapp 268.000 Euro (Wechselkursverlust 68.000 Euro).

  • Wegen der in den letzten 16 Jahren aufgehäuften Zinsersparnis gegenüber einem Euro-Kredit hat der Kreditnehmer 38.000 Euro gespart. Dieser Betrag ist vom Wechselkurs-Verlust abzuziehen.

  • Damit ergibt sich ein Reinverlust von 40.000 Euro (Wechselkurs 1,08) oder 30.000 Euro (Wechselkurs 1,12).

Ein Teil des Reinverlustes haben Franken-Kreditnehmer in Österreich durch einen Anstieg der Immobilienpreise bereits aufgeholt. Bei einer angenommenen Wertsteigerung von Haus und Grundstück um 10% in den letzen 16 Jahren und einem damaligen Kaufpreis von 200.000 Euro, sind somit 20.000 Euro vom Reinverlust abzuziehen. Es bleibt ein Minus von 20.000 Euro (Wechselkurs: 1,08) oder 10.000 Euro (Wechselkurs 1,12)

In Deutschland ist die Lage verzwackter. Hier haben sich oft Gemeinden und Kommunen im Schweizer Franken verschuldet, weil sie Kassenkredite aufnahmen. Ferner haben private Franken-Kreditnehmer ihr Eigenheim in der Regel zu einem Fixzinssatz finanziert, weshalb die Zinsersparnis nicht so groß ausfällt wie in Österreich.

Bis zum Verbot der Franken-Kredite im Herbst 2008 war es in Österreich gang und gäbe, dass Privathaushalte mit variablen Zins finanzierten. Dies führt nun dazu, dass ziemlich viele österreichische Franken-Kreditnehmer inzwischen sehr nahe am Break-Even, also jenem Punkt, wo man weder etwas gewonnen, noch etwas verloren hat, sind.

In vielen Fällen dürfte die Wertsteigerung der Immobilie höher ausfallen als 10%. Wer es leid ist den Wechselkurs zu verfolgen, für den könnte es daher Sinn machen in einen Euro-Fixzinskredit zu konvertieren. Denn bei einem Euro-Kredit mit variabler Verzinsung kann einem dasselbe passieren wie einst mit dem Franken-Kredit und dem Wechselkurs.

Dieses Mal wäre es dann nicht der Schweizer Franken, sondern die Zinsen, die stark steigen würden. Auslöser könnte eine Euro-Währungsreform, wie sie der frühere Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, für möglich hält, sein. Die Zinsen in Deutschland und Österreich dürften auch steigen, sollte sie in der Eurozone Eurobonds machen.