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15.09.16

Sie machen den Euro kaputt und verkaufen es als Erfolg

EU-Chef Jean-Claude Juncker behauptet keck: "Der Euro ist eine führende Weltwährung, die große, oft unsichtbare wirtschaftliche Vorteile birgt". Wer sich die Entwicklung des Euro-Wechselkurses zum Schweizer Franken und US-Dollar der letzten Jahre ansieht, reibt sich angesichts solcher Aussagen die Augen. Vor zehn Jahren hätte der Luxemburger mit seinem Euro-Lob richtig gelegen. Heute lässt sich darüber nur noch schmunzeln.

Im Oktober 2007 war 1 Euro bis 1,68 Schweizer Franken wert. Gegenüber dem US-Dollar gipfelte die Gemeinschaftswährung im Juli 2008 bei 1,60 Dollar. Heute ist der Euro gerade einmal noch 1,09 Franken und 1,12 Dollar wert. Neben dem Wandel zur Weichwährung kommt hinzu: Der Anteil des Euros am weltweiten Devisenhandel sank in den letzen neun Jahren von 26% auf zuletzt 20%, wie Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen.

"Mario Draghi wahrt die Stabilität unserer Währung", reklamiert der Kommissionschef bei seiner alljährlichen Rede zur Lage der EU. Auch das ist eine steile These. Schwächt Draghi den Euro doch seit seinem Amtsantritt ab, in dem er aller paar Monate ein neues Kaninchen aus dem Hut zaubert. Der nächste Tabubruch der EZB ist schon absehbar. Sie wird aller Voraussicht nach Aktien kaufen.

Mr. Anti-Euro

Draghi tue auch mehr für Arbeitsplätze als viele der Euroländer, meint Juncker. Stimmt das? Wäre es nicht besser den Reformdruck auf Italien, Spanien, Portugal und Frankreich aufrechtzuerhalten, in dem man ihnen eben nicht ihre Staatsanleihen abnimmt? Wären dieses Euroländer dann nicht endlich dazu gezwungen ihre Arbeitsmärkte grundlegend zu modernisieren?

Die bisher durchgeführten kosmetischen Änderungen auf den Arbeitsmärkten Südeuropas, wo das Senioritätsprinzip Rückgänge der Arbeitslosigkeit verhindert, kombiniert mit den EZB-Programmen hat nicht zum Erfolg geführt. Spanien hat 20% Arbeitslosigkeit und 44% Jugendarbeitslosigkeit, Italien 11% und 39%, Portugal 26% und 11%, Frankreich 10% und 24% (Stand: Juli 2016).

An harten Fakten lassen sich Juncker und Draghi aber nicht gerne messen. Anders als die US-Notenbank übernimmt die EZB keinerlei Verantwortung für den Arbeitsmarkt. Geht es aber darum die lockere Geldpolitik der Amerikaner mit Negativzinsen und dem Ankauf von Unternehmensanleihen in den Schatten zu stellen, sind die alten Herren in der Eurozone plötzlich ultramodern.