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12.09.16

EUR/CHF schlottern Knie: Schweizer Notenbank in Sackgasse

Dem Euro schlottern vor der mit Spannung erwarteten vierteljährlichen Sitzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Knie. Die SNB könnte ihre Bereitschaft, den EUR/CHF-Kurs zu stützen, abschwächen. Lassen es die Schweizer wegen ihres starken Wachstums und gefährlich hohen Devisenreserven etwas ruhiger angehen?


Aktuell notiert der Eurokurs bei 1,0926 Franken - nach 1,0975 am 9. September und 1,1001 am 1. September 2016. Die Tendenz zeigt also nach unten. Charttechniker weisen auf die gerissene Aufwärtstrendlinie hin. Aus fundamentaler Sicht wird das Stärkerwerden des Franken vom Wirtschaftswachstum in der Schweiz, das im 2. Quartal 2016 mit 0,6% doppelt so hoch lag wie in der Eurozone, untermauert.

"Der Franken ist nach wie vor deutlich überbewertet", schrieb die SNB in ihren Lagebeurteilungen vom Juni und März 2016. In der nun anstehenden Lagebeurteilung könnte man "deutlich" streichen und erklären: "Der Franken ist nach wie vor überbewertet". Diese kleine Änderung wäre ein Signal, dass die SNB ihren per Ende August auf ein Rekordhoch von 627 Milliarden Franken angeschwollenen Devisenreserven Rechnung trägt.

Hört eine Notenbank nicht auf fremde Währung zu kaufen, um die eigene schwach zu halten, kann sie im Grunde genommen gleich ihre Souveränität abgeben, so wie es beispielsweise die Dänen getan haben. Doch dazu ist die Schweiz nicht bereit, sonst hätte sie den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken nicht schockartig aufgegeben, sondern ihn behutsam abgesenkt.

"Das Dilemma der SNB ist, dass sie es nicht jedem recht machen kann. Bei ihrem Versuch, das Beste für die Schweizer Wirtschaft herauszuholen, hat sie auch Verlierer und Kollateralschäden verursacht", zitiert der Finanzdienst Bloomberg den Volkswirt Alexander Koch von der Raiffeisenbank Schweiz.

Die hohen Devisenreserven sind für viele Schweizerinnen und Schweizer eher ein abstraktes Problem. Was die meisten wirklich wurmt, ist der Negativzins bei -0,75%. Hier sind der SNB aber die Hände gebunden. Sie ist am Gängelband der Europäischen Zentralbank (EZB), also in Sachen Zinspolitik quasi eine EZB-Filiale ohne Stimmrecht.