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24.08.16

Euro-Retter wollen das Pferd von hinten aufzäumen

In Euroland wollen sie Wachstum aus dem Kreditkanal herausquetschen. Das wird zunehmend herausfordernd, weil das ständige Öffnen der Geldschleusen Verbraucher und Unternehmen verunsichert. Darauf weist nun noch einmal der Chef der Deutschen Bank hin. Das gute Wachstum schlummert in den Investitionen. Es sieht nicht danach aus, als ob sie es heben können.

"Unternehmen halten sich aufgrund der anhaltenden Unsicherheit mit Investitionen zurück und fragen kaum mehr Kredite nach", schreibt Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt". Verunsichert sind auch die privaten Haushalte. Sie sparen, weil Niedrigzinsen sie dazu zwingen mehr Geld auf die Seite zu legen: Geld, von dem sie einst dachten, dass es sich mit Zinsen verdienen lässt.

Deutschland hat sich von der Wachstumslokomotive zum Konjunkturblender entwickelt. Die deutsche Wirtschaft expandiert, weil der Staat seinen Konsum ausweitet (für Flüchtlinge), und weil der künstlich tief gehaltene Euro den Außenbeitrag aufpoliert. Die Investitionen in Anlagen, Ausrüstungen und am Bau sanken zwischen April und Juni 2016 um 2,1%, meldet das Statistische Bundesamt.

Die Sparquote der privaten Haushalte stieg von 9% in 2013, auf 9,4% in 2014, 9,7% in 2015 und 11,2% in der ersten Hälfte 2016. Die privaten Konsumausgaben erhöhten sich im 2. Quartal 2016 lediglich um 0,2% bei einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 0,4%. Im ersten Vierteljahr hatte Deutschland seine Wirtschaftsleistung noch um 0,7% steigern können.

Trotz den massiven Lockerungen der Europäische Zentralbank (EZB) blieb die Kreditnachfrage der private Haushalte in der ersten Hälfte 2016 bescheiden. Dies zeigen Erhebungen der EZB zur Entwicklung der Geldmenge und zum Zustand des Kreditkanals in der Eurozone. Weil Strukturreformen zu Schaffung von mehr Arbeitsplätzen und höheren Investitionen ausbleiben, wird da nicht mehr viel Dynamik hinzukommen.