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22.08.16

Eine so gute Währung wie der Franken hat das nicht verdient

Es ist so gekommen wie befürchtet: Brexit war ein perfekter Vorwand die Geldpolitik weiter zu lockern. Die Schweizer ziehen da nur widerwillig mit. Für alle anderen gilt: Je aktionistischer eine Notenbank in Erscheinung tritt, umso mehr liegt im Argen. Der Euro-Franken-Kurs macht bei 1,09 gute Miene zum bösen Aufschaukelungs-Spiel.

Die US-Notenbank (Fed) nutzte den Brexit, um ihre Pläne für Zinserhöhungen von 2016 nach 2017 zu verschieben. Die Bank von England senkte die Zinsen und beschloss noch mehr Staatsanleihen zu kaufen. Die Bank von Japan lockerte im August und wird aller Voraussicht nach im September noch einmal ein dickes Lockerungspaket draufsetzen.

Mario Draghis EZB kaufte überraschend viele Unternehmensanleihen. Die monatlichen Käufe beliefen sich seit dem Start des Programms auf 7,5 Milliarden Euro. Momentan entsteht in der Eurozone eine Emmitierungsindustrie für Firmenanleihen, die an Deutschlands Übersubventionierung von Solarstrom-Unternehmen erinnert.

Banken und Unternehmen legen neue Anleihen speziell für die Europäische Zentralbank (EZB) auf. Die Ratingagenturen machen einen Stempel drauf und schon ist man wieder da, wo man beim Ausbruch der Finanzkrise 2008 war. Derweil speiste die Schweizerische Nationalbank (SNB) 13 Milliarden Franken an Zentralbankgeld durch eine Erhöhung ihrer Devisenreserven in das Finanzsystem ein.


Den Wechselkurs des Euros zum Franken konnte die SNB damit stabilisieren. Nach einen kurzen Brexit-Rücksetzer auf 1,0620 Franken wurde die Kursentwicklung in einem Dreieck eingekeilt. Die EZB könnte laut informierten Kreisen als nächstes ihre monatlichen Anleihekäufe um 10 Milliarden auf 90 Milliarden Euro aufstocken und den Einlagenzins von -0,40% auf -0,50% senken.

Die SNB müsste dann mit einer weiteren Erhöhung der Devisenreserven und womöglich eine Senkung ihres Einlagenzinses von -0,75% auf -1,00% kontern. Das Spiel kann noch viele Jahre so weiter gehen, weil Notenbanker beratungsresistenz sind. Draghi ist knapp 70 Jahre alt. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass er ökonomische Überzeugungen, die er sich über ein halbes Jahrhundert angeeignet hat, über Bord wirft.