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30.06.16

Hochfinanz will Steuergelder aus ESM-Schirm anzapfen

Der Euro kletterte mit 1,0901 Franken auf den höchsten Stand seit dem Brexit-Votum. Die Erholung ist nicht in trockenen Tüchern, obschon der Wechselkurs fester notiert wie vor der Volksabstimmung. Der Schweizer Börsenexperte Marc Faber sieht den Brexit als Votum gegen die Hochfinanz. Die Notenbanken könnten ihn als Vorwand nehmen, um noch mehr Papiergeld zu drucken.

"Wird Brexit als Entschuldigung genutzt, drucken die Zentralbanken noch mehr Geld, QE4 in den USA wird vorbereitet und der Kaufkraftverlust von Währungen wird sich fortsetzen", sagt Faber in einem Interview mit Bloomberg. In einem solchem Umfeld sei es empfehlenswert Gold zu besitzen, fügt er hinzu.

In Europa geht die Angst vor einer Bankenkrise um. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn der als sichere Hafen wahrgenommene Schweizer Franken wieder aufwerten würde. Der Euro könnte dann im Gegenzug auf sein Brexit-Tief bei 1,0620 Franken oder darunter fallen.

Sollte die derzeit auf einem 30-Jahrestief notierende Aktie der Deutschen Bank noch weiter fallen, könnte sich die deutsche Bundesregierung von ihren Euro-Partnern vielleicht doch noch umstimmen lassen. Es geht darum Mittel des ESM-Rettungsschirms als Kreditlinien für die schwachen Banken im Euroraum einzusetzen.

Genau das will offenbar die US-French-Connection beim Internationalen Währungsfonds (IWF). IWF-Chefin Christine Lagarde ließ heute die Deutsche Bank als riskantestes Geldhaus der Welt geißeln. Der IWF ist berühmt und berüchtigt dafür, politische Prognosen abzuliefern, die seinem größten Anteilseigner, den USA, und den Ansichten von Lagarde gerecht werden.

Er verstehe das Brexit-Votum als eine Rebellion der Leute auf der Straße gegen die Arroganz der Eliten in den Finanzzentren, so Faber. In der Tat sieht es derzeit danach aus, dass die Hochfinanz den Steuerzahler wieder einmal am Wickel hat. Denn die Deutsche Bank wäre wohl zu groß, um das neue Bail-In-Regelwerk, bei dem die privaten Anteilseigner die Zeche zahlen, anzuwenden.