Dieser Blog wurde unterbrochen und wird voraussichtlich ab Februar 2018 mit einem neuen Themen-Schwerpunkt fortgesetzt.

16.03.16

Brexit: Wem wollen die Briten eigentlich etwas beweisen?

Ein Brexit wäre ein kolossales Zeitereignis. Der Schweizer Franken sei der beste Schutz vor einem Austritt Großbritannien aus der EU, heißt es in einer neuen Studie des Geldhauses HSBC. Schwelgen die Briten in alten Traditionen, ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass sie längst keine Weltmacht mehr sind? Oder steckt vielleicht doch ein wenig mehr hinter dem Ganzen? Wer bekommt mehr ab: Die Schweiz oder die Rest-EU?

Londons Bürgermeister Boris Johnson sagt, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU gut für sein Land wäre. Dabei belässt er es aber nicht. Ein Brexit sei auch ein feine Sache für die EU, weil er Brüssel aufrütteln würde, sich zu reformieren. Die Brexit-Befürworter beanspruchen somit einen Erziehungsauftrag für den Kontinent zu haben. Das kann einem schon ein wenig komisch vorkommen, schaut man sich einmal den hohen Schuldenberg und das Handelsbilanzdefizit der Briten an.

Der frühere US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney sagte vor vier Jahren, dass Großbritannien "ein kleines Land mit kleinen Straßen" sei. Übersetzt heißt das: Niemand nimmt die Briten als Weltmacht wahr, außer sie selbst. Der Chef der US-Notenbank von St. Louis, James Bullard, erklärte unlängst, dass ein Brexit für die USA im Grunde genommen kaum eine Rolle spiele.

Solche Aussagen können die Traditionalisten im Vereinigten Königreich nur schwer verkraften. Da wird dann behauptet, dass die EU an außenpolitischem Gewicht verlöre. Ein Pferd auf drei Beinen wäre die EU ohne die Briten. Auch hier kann man nur mit dem Kopf schütteln, weil die EU meilenweit von einer gemeinsamen Außenpolitik entfernt ist.

Unter dem Strich wäre ein Brexit wohl für Großbritannien ein harter Schlag. Die britische Finanzindustrie käme ins Wanken. Für die größte Bank Europas wäre das somit ein kolossales Zeitereignis. Die Schweiz hätte nach Einschätzung des Chefs für Devisenstrategie der HSBC, David Bloom, auch ein Problem. Denn Anleger würden in den als sicheren Hafen wahrgenommenen Schweizer Franken flüchten. Die Rest-EU wäre einen Dauer-Nörgler los und könnte näher zusammenrücken.

Weiterlesen:
Brexit-Gefahr: Franken-Fans mit Ass im Ärmel