25.02.16

1 € = 1,0865 CHF: So zermürben die Dauer-Krisen den Euro

Der Euro-Franken-Kurs gerät in die Abwärtsmühlen europäischer Dauer-Krisen. Mit 1,0865 Franken ist 1 Euro so wenig wert wie zuletzt vor sechs Wochen. Flüchtlings-Krise, Banken-Krise, Schengen-Krise, Brexit-Krise, Schulden-Krise und nun auch eine Bargeld-Krise. In der EU perfektionieren sie das Spiel "Alle gegen Alle". Deutschlands oberschlaue Moral-Imperialisten treffen auf südeuropäische Laissez-Faire-Banker und osteuropäische Opportunisten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe keinen Plan und wisse nicht, wie Europa ticke. Das sei das eigentliche Problem, sagen Kritiker. An der Flüchtlingskrise werde das nun wieder einmal deutlich. Noch vor fünf Monaten empfing die Kanzlerin Flüchtlinge mit offenen Armen und einem freundlichen Selfie-Lächeln. Inzwischen ist es mit der Gastfreundschaft vorbei. Sie erwarte, dass die Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehrten, erklärte die Kanzlerin unlängst.

Was derzeit am stärksten auf dem Euro-Franken-Kurs lastet, dürfte die durch einen neuerlichen Ausverkauf an den Aktienmärkten wieder aufkeimende Banken-Krise sein. Hier sind es Spanien und Italien, die massiv Probleme bereiten. Es herrscht Dissonanz: Die Dinge werden anders dargestellt, als sie in Wirklichkeit sinkt. Spaniens Bankia-Krise dauerte fast ein halbes Jahr. Italien ist gerade dabei mit seiner Skandalbank Monte dei Paschi diesen Rekord zu überbieten.



Eine dauerhafte Rückkehr zu innereuropäischen Grenzkontrollen kann der Wirtschaftsleistung der EU einen Schaden von bis zu 1,4 Billionen Euro zufügen, teilt die Bertelsmann Stiftung mit. Hintergrund sind Zeitverluste an den Grenzen, die zu höheren Personalkosten und längeren Lieferzeiten führen würden. Hinzu kämen Mehrkosten, weil Unternehmen höhere Lagerbestände vorhalten müssten.

Die ineinander verbandelte Schengen-Krise und Flüchtlings-Krise geraten aktuell in den Fokus. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán will über das System der EU-Flüchtlingskontingente eine Volksabstimmung durchführen. Sagen die Ungarn nein, wäre das ein Nein zur EU und könnte neben der Brexit-Krise zu einer Uxit-Krise führen.

Für den Euro gefährlicher ist die Schulden-Krise. Neben Griechenland ist Portugal ein ganz heißer Krisen-Kandidat. Denn die portugiesische Wirtschaft ist trotz Troika-Reformprogramm einfach zu schwach. Man kann Portugal nicht mit einer durchschnittlichen Euroraum-Volkswirtschaft wie Belgien vergleichen. Portugal ist eher wie Brasilien, das trotz einer recht geringen Staatsverschuldung von 70% des BIP derzeit eine schwere Wirtschaftskrise durchläuft. Die portugiesischen Staatsverschuldung ist mit 135% des BIP doppelt so hoch wie die Brasiliens.

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) in einem solchem Umfeld erwägt den 500-Euro-Schein abzuschaffen, zeigt, dass die EZB-Professoren die Besorgnisse der Bürger nicht einmal ansatzweise verstehen. Eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins hätte das Potential das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung zu beschädigen, sagt Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Am Ende wäre ein 500-Euro-Schein, der nicht rechtzeitig gewechselt wird und auf dem die Unterschrift von EZB-Chef Mario Draghi ist, wertlos.