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10.11.15

Beendet die Schweiz 6 Jahre Währungskrieg?

Die Schweiz hat mit ihren Interventionen zur Abschwächung des Frankens überzogen. Denn der Euro wertet wieder ab und der Franken auf. Am Devisenmarkt gibt es keine Geschenke. Dass die Schweiz einen weichen Franken bekommt, ohne die Inkaufnahme von Risiken, ist ein von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erzähltes Ammenmärchen. Der vor sechs Jahren begonnene Währungskrieg kehrt in die Schweiz zurück.

"Draghis Billiggeld-Aktion führt zu deprimierenden Renditen im Euroraum und treibt Anlegergelder in die benachbarten Ländern. Dies führt dazu, dass sich diese Länder mit einer Aufwertung ihrer Währungen konfrontiert sehen und keine Chance haben ihre Inflationsziele zu erreichen", heißt es in einem Artikel von Bloomberg. Der Finanzdienst schreibt, dass in Europa ein stiller Währungskrieg vonstatten gehe.

Neben den skandinavischen Ländern und Tschechien sieht sich die Schweiz mit einer Aufwertung ihrer Landeswährung konfrontiert. Die eidgenössischen Währungshüter haben das Problem, dass sie ihr Pulver verschossen haben. Der letzte Strohhalm war eine Normalisierung der Geldpolitik in den USA. Dadurch sollte sich der Franken erst zum Dollar und später zum Euro abschwächen.

Gegenüber dem Dollar hat sich Franken tatsächlich abgeschwächt. 1 Dollar ist wieder mehr als 1 Franken wert. In den USA zeichnet sich wegen der sehr guten Verfassung des Arbeitsmarktes eine Zinswende ab. Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik macht den Dollar attraktiv. Allerdings schwächt sich der Euro gegenüber dem Dollar stärker ab als der Franken, was im Endeffekt dann dazu führt, dass der Euro-Franken-Kurs fällt, und nicht wie von der SNB favorisiert steigt.

Weiterlesen: Der große Schweizer Mindestkurs-Schwindel

Die Schweizerische Nationalbank ist dieser Tage erstaunlich ruhig. Es gibt keinerlei Beschwerden über die von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Aussicht gestellten weiteren Lockerungen, die den Eurokurs auf 1,00 Franken abrutschen lassen könnten. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass der europäische Währungskrieg seinen Ausgangspunkt in der Schweiz hat. Bereits im Frühjahr 2009 begannen die eidgenössischen Währungshüter Wechselkurse zu manipulieren.

Bis heute können sie nicht davon ablassen. Ein Anstieg der Devisenreserven um knapp 10 Milliarden Franken im Oktober 2015 zeigt, dass die SNB immer noch im Markt ist. Ob sie mit ihren nebulösen Interventionen das Ruder rumreißen kann, ist fragwürdig. Denn die Schweiz versucht das Kunststück zu vollbringen, sich zu waschen, ohne nass zu werden. Auf der einen Seite will sie keine weiteren Risiken. Dies zeigt die Aufhebung des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken. Auf der anderen Seite will man einen weichen Franken.

Das ist in etwa so, wie ein Anleger, der dieser Tage einen Zins auf eine Staatsanleihe mit Top-Bonität von 8% haben will - ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Bilanzsumme der SNB ist wegen der massiven Interventionen am Devisenmarkt in den letzten Jahren angeschwollen. "Rechnen Sie einmal: Eine Bilanz von 600 Milliarden geteilt durch 8 Millionen Einwohner (inklusive Kinder, Greise und Ausländern). Das sind 75.000 Franken Risiko für jeden, ob er will oder nicht. Dagegen sehe sogar die Staatsschuld der Griechen mit 30.000 Euro pro Kopf gut aus, erläutert der frühere Chef der UBS und Credit Suisse, Oswald Grübel, im Gespräch mit der Handelszeitung.

Fazit:
Damit die Schweiz den von ihrer Exportwirtschaft so dringend benötigten Eurokurs von 1,10 Franken oder mehr bekommt, müsste sie mit ihrer Bilanz auf etwa 1 Billion Franken ins Risiko gehen. Anstatt den Währungskrieg in Europa zu beenden, würde sie die nächste Runde einläuten.