16.06.15

Endet die Grexit-SNB-Slalomfahrt des Euro bei 0,98 CHF?

Erst sieht es danach aus, als könnte sich der Wechselkurs des Euros zum Schweizer Franken vor dem Schuldendrama in Griechenland davon stehlen. Trotz einer inzwischen mit den Händen greifbaren Grexit-Furcht klettert der Euro auf 1,0543 Franken. Dem folgt allerdings ein Rückzug auf 1,0470. Die Kursverluste drohen sich nach der Sitzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auszuweiten.

Die Verhandlungsposition Griechenlands lässt sich wie folgt darstellen: "Nein zu allem. Schuld sind die anderen. Wir wollen eine Extrawurst." Die Euro-Retter sagen: "Ihr müsst dasselbe machen, was der Mittelmeer-Anrainer im äußersten Westen des Währungsraums gemacht hat. Mehr als die in Portugal durchgeführten Reformen verlangen wir doch garnicht."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat versucht die beiden Positionen zusammenzubringen. Er scheiterte, auch weil sich die griechische Delegation am Sonntag-Vormittag an einem der teuersten Orte in Brüssel stundenlang bei einem Brunch stärkte, anstatt sich darum zu kümmern, der Kommission handfeste Zahlen vorzulegen.

Ausverkauf

Wichtig für den Euro-Franken-Kurs ist die am Donnerstag anstehende vierteljährliche Sitzung der Schweizerischen Nationalbank. Sollte die SNB ihre Leitzinsen nicht noch weiter ins Negative senken, könnte das der Startschuss für eine Slalomfahrt des Euro-Franken-Kurses sein.

Die Commerzbank sieht die Schweiz in einem Teufelskreislauf einer sinkenden Teuerung (Deflation) und einem starken Franken. Die Erkenntnis, dass die SNB "ihr letztes Pulver längst verschossen hat", mache sich noch nicht breit, schreibt der Analyst Ulrich Leuchtmann. Hintergrund war ein harscher Rückgang der Schweizer Produzentenpreise, auf die der Euro aus der Sicht der Commerzbank fälschlicherweise mit einem Anstieg auf 1,0543 Franken reagiert hatte.

Im Gegensatz zu vielen internationalen Großbanken rechnet die teilverstaatlichte Commerzbank mit einem Rückgang des Euros bis Ende 2015 auf 0,98 Franken. Die Devisenexperten müssen in Sachen Prognosegüte bereits in zwei Wochen Farbe bekennen. So hatte die Commerzbank bis zur Jahresmitte einen Wechselkurs von 1 Euro = 1 Franken vorausgesagt.