02.08.17

EUR/CHF-Ausblick: Kann sich der Euro bei 1,15 Franken halten?

Der Euro gibt mächtig Gas, und so klettert der EUR/CHF-Wechselkurs bis auf 1,1495. Das ist der höchste Stand seit Januar 2015. Wegen der steilen Aufwärtsbewegung müssen Franken-Fremdwährungskreditnehmer deutlich weniger zurückzahlen, insofern die Gemeinschaftswährung ihre Gewinne verteidigen kann.

"Der allgemeine Trend höherer EURCHF-Kurse bleibt unseres Erachtens intakt und ergibt sich aus einem zu hohen CHF-Angebot. Interventionen der SNB vor den Wahlen in Frankreich führten innerhalb des Systems zu einem starken Zuwachs an Schweizer Franken", streicht das Wealth Management der UBS heraus. Es sieht den EUR/CHF-Kurs in zwölf Monaten bei 1,16.

Demnach dürfte sich der Euro seine Geländegewinne nicht wieder nehmen lassen. Für Fremdwährungskreditnehmer ist das eine wertvolle Information. Die Restschuld eines CHF-Darlehen im Gegenwert von 150.000 Euro, dass vor 15 Jahren zu einem EUR/CHF-Kurs von 1,45 aufgenommen wurde, sank in den letzten zwei Wochen um 8.600 Euro.


Ende Juli sah es noch danach aus, als ob der Euro nicht über 1,11 Franken nicht hinauskommen würde. Mehrere Male prallte er an dieser Schwelle zurück, was einen Rückfall auf den Tiefstand vom Juni bei 1,0830 nahe legte. Nun ist es anders gekommen. Skeptiker zweifeln gleichwohl an der Dauerhaftigkeit des vergleichsweise hohen Eurokurses.

Sie verweisen auf den aus ihrer Sicht viel zu steilen Anstieg des Euros gegen den US-Dollar, der den Höhenflug überhaupt erst möglich machte. Der EUR/USD-Kurs notiert aktuell bei knapp 1,19. Ähnliche Kursspitzen hatte es bereits im August 2016 und im August 2015 gegeben. Ein Grund dafür: Die EZB kauft im Hochsommer weniger Anleihen, der Euro wird weniger verwässert.

Wenn das Euro-Angebot ab September wieder steigt, könnte der Euro also gegen den US-Dollar und gegen den Schweizer Franken Federn lassen. Hinzu kommt, dass eine sehr großzügige Reduzierung der Anleihekäufe (Tapering) in den Eurokursen inzwischen eingepreist. EZB-Chef Mario Draghi wird aber aller Voraussicht nach keinesfalls so schnell vom Gaspedal steigen, wie es der steile Anstieg des Euros signalisiert.