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02.01.17

Euro implodiert: Die Schweizer haben es als erste geschnallt

Der Euro-Franken-Kurs macht 2017 damit weiter, womit er 2016 aufgehört hat. Es geht darum, ob sich die Devisennotierung bei 1,07 befestigt. Aus Deutschland kommt viel Gegenwind. Die Deutschen wollen ihre D-Mark zurück. Die Target2-Salden der Bundesbank, dem Fieberthermometer der Eurozone, werden immer bedrohlicher. Daraus folgt: Schweizer Anleger bleiben 2017 zu Hause, der Franken bleibt stark.

Knapp die Hälfte der 340 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die täglich mit dem Euro bezahlen, würden die Gemeinschaftswährung gerne wieder loswerden, zeigt eine Umfrage der EU-Kommission. In Deutschland steht der Euro seit jeher in Verdacht ein Teuro zu sein. Damit aber nicht genug. Das einflussreiche Münchner ifo-Institut macht derzeit gegen das Euro-Establishment so richtig mobil.

"Es könnte das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit langem werden", sagt ifo-Chef Clemens Fuest im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Hintergrund ist die steigende Inflation bei dauerhaft niedrigen Zinsen. "Das heißt, das Vermögen der Bürger wird so stark wie lange nicht mehr entwertet", erläutert Fuest.

Wenige Tage später warnt der Nachfolger von ifo-Chef Hans-Werner Sinn dann vor einem Euro-Austritt/Rettungsprogramm für Italien: "Mit seiner Zustimmung zu einem Rettungsprogramm für Italien würde der Bundestag den Steuerzahlern Risiken aufbürden, deren Höhe er nicht kennt und nicht kontrollieren kann", so Fuest im "Tagesspiegel".

Eigentor

Deutschlands Forderungen aus den Target2-Salden sind derweil auf ein Rekordhoch von 754,01 Milliarden Euro gestiegen. Die Target2-Salden seien ein untrügliches Zeichen dafür, wo Anleger ihr Geld lieber aufbewahrten, nämlich in Ländern wie Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden, nicht aber in Italien, Spanien oder Griechenland, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" über diese Problematik.

Das Fundament des Euros wackelt also weiter, obschon die Konjunktur in der Eurozone derzeit ganz gut läuft. Schweizer Anleger scheinen aber ganz genau hinzuschauen. Für sie ist die Eurozone, trotz den Beteuerungen von EU-Kommissionschef Juncker und EZB-Präsident Draghi, nicht in einem Zustand wie 2002-2007, als der Euro scheinbar funktionierte.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Schweizer Anleger in Euroland investieren müssen, damit der Euro-Franken-Kurs steigt. Die Schweizer bleiben aber seit Jahren lieber zu Hause. Erstaunlicherweise reicht ihnen ganz offenbar auch nicht die Kreditausfallversicherung der EZB für die südlichen Euroländern (Whatever it Takes), um Investitionen zu wagen.

An dieser Stelle kommt der Bumerang zurück und trifft jener Euroländer, die seit Jahren den Stabilitätspakt brechen. Wer einmal lügt, dem glaubt man nämlich nicht mehr. Draghis Kreditausfallversicherung, die Anlegern verspricht, Staatsanleihen kriselnder Euroländer notfalls zu Barem bei der EZB zu machen, ist nicht wasserdicht. Das Eurosystem wird sich daran genausowenig halten wie an den Stabilitätspakt.