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09.01.17

Das nigelnagelneue Geschäftsmodell der Eurozone

Die Amerikanisierung von Europas Wirtschaft schreitet voran. Banken drücken immer mehr Kredite in Unternehmen und Haushalte. Dadurch setzt ein Konsumrausch ein, die Arbeitslosigkeit sinkt. Flankiert wird der Aufschwung von einem weichen Euro. Er macht europäische Waren in Drittländern günstiger und schiebt damit die Exportindustrie an.

Hat Euroland sein Wachstumsmodell für die Zukunft gefunden? Die Kombi aus Konsumwirtschaft Made in USA und hohen Staatsquoten Made in France scheint sich auf den ersten Blick für die viele gescholtene Eurozone auszugehen. Die Arbeitslosigkeit blieb im Dezember auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren.

"Es ist kein Wunder, dass das Verbrauchervertrauen boomt, da im letzten Jahr knapp eine Million Leute in der Eurozone aus der Arbeitslosigkeit ausgeschieden sind", zitiert Bloomberg den Senior-Ökonom Bert Colijn von der ING Bank. Weil die Unternehmen weitere Stellen schaffen wollten, werde sich der Beschäftigungsaufbau in den kommenden Monaten fortsetzen.

Dem Euro ist das nicht geheuer. Inzwischen ist der Punkt erreicht, an dem die wirtschaftliche Dynamik so stark ist, dass es die Konjunkturimpulse einer Weichwährung nicht mehr braucht. Am Devisenmarkt fasst man den Euro aber nur mit der Kneifzange an. 1 Euro bringt aktuell lediglich 1,07 Franken und 1,05 US-Dollar auf die Waage nach 1,60 Dollar (Juli 2008) und 1,68 Franken (Oktober 2007).

Die Schwäche der Gemeinschaftswährung muss als Warnzeichen aufgefasst werden. Südeuropa kann sich wegen laxer Regeln so viel Geld drucken, wie es möchte. Das geht so: Eine Bank reicht Euro-Finanzierungen an Verbraucher und Unternehmen aus. Die Bank erhält damit eine Forderung, die sie bei der EZB hinterlegen kann, um sich frisches Zentralbankgeld zu ziehen.

Früher, als der Euro noch sehr viel stärker war, musste eine Forderung gewisse Qualitätsstandards erfüllen, damit sie die EZB als Sicherheit akzeptierte. Diese Standards hat der EZB-Rat, in dem die Euro-Südstaaten mit Frankreich zusammen seit Jahren durchregieren, abgeschafft.

Ergebnis:
Die Eurozone hat sich das Geldmachen mit der Notenpresse von Venezuela abgeschaut. Die hohen Staatsquoten erinnern an Frankreich und China. Die Kreditvergabe geschieht nach US-Vorbild. Die Bankenaufsicht schaut aber nicht so genau hin wie in den USA.