Dieser Blog wurde unterbrochen und wird voraussichtlich ab Februar 2018 mit einem neuen Themen-Schwerpunkt fortgesetzt.

13.12.16

Wird 2017 das Jahr des Euro?

Dem Euro ist zuzutrauen auf 1,15 Franken oder höher zu steigen. Es müssen einige Dinge zusammenkommen, damit 2017 das Jahr des Euros wird. Der Anfang ist aber gemacht, nachdem die EZB beschlossen hat, den Ankauf von Staatsanleihen herunterzufahren. Frankreich muss jetzt nachlegen. Wenn dann noch das internationale Umfeld dem Euro die Rolle eines Anti-Dollar zudenkt, wäre der Euro in einer Art Anti-Teufelskreis.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gerade eine Drosselung ihrer monatlichen Anleihekäufe um 20 Milliarden Euro beschlossen. Auch wenn EZB-Chef Mario Draghi das nicht als Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik verstanden sehen will. Die Chancen, dass die Ratsmitglieder dem Italiener noch einmal folgen und die monatlichen Käufe auf 80 Milliarden Euro anheben, sind wegen der steigenden Inflation gering.

In den Niederlanden musste die Regierung unlängst die Renten kürzen, weil die Renditen in den Pensionsfonds wegen der Nullzinspolitik der EZB am kollabieren sind. Deutschland hat diese Sorgen wegen seines umlagefinanzierten Rentensystems noch nicht. In einigen Jahren wird aber auch hier der Raubzug der Währungshüter sichtbar, wenn die Bürger merken, dass ihre private Altersvorsorge hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Reformeifer

Neben der Geldpolitik ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich ein Silberstreif am Horizont für den Euro. Von einem Wahlsieg des wirtschaftsliberalen François Fillon versprechen sich die Euro-Anhänger eine Zeitenwende. Der Reformstau in der Eurozone würde sich auflösen. Fillon würde auch Italien, Spanien und Portugal in die Pflicht nehmen mehr zu tun, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Arbeitslosigkeit zu verringern.

Das internationale Umfeld spielt für den Euro ebenfalls eine wichtige Rolle. In den USA könnte Donald Trump eine Art Blitz-Rezession machen, um anschließend mit Konjunkturprogrammen, Deregulierung und Steuersenkungen in die Vollen zu gehen, legt Thomas Mayer, früherer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen nahe.

Schlechte Nachrichten für den US-Dollar sind gute Nachrichten für den Euro. Die Gemeinschaftswährung feiert ihr Comeback als Anti-Dollar, was dazu führt, dass sich ihr Status als zweitwichtigste Reservewährung wieder festigt. Auch eine Konjunkturabkühlung in China käme dem Euro zugute. Im Februar 2016, als der chinesische Yuan im Lichte eines Börsenbebens schwächer wurde, stieg der Eurokurs auf 1,12 Franken.

Der Euro sei relativ stabil, weil der Rest der Welt unstabil wäre, erläuterte Otmar Issing unlängst auf CNBC. Der Gründungsvater der Gemeinschaftswährung sagt: "Ich bin zwar nicht enthusiastisch, aber die Zukunft des Euros steht nicht auf dem Spiel." Issings Kalkül: Gäbe man beispielsweise den Italienern die Möglichkeit den Euro zu verlassen, würden sie vor der Wiedereinführung der Lira zurückschrecken.