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03.11.16

Eiserner Vorhang geht zwischen Nord- und Südeuropa runter

Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hellt sich im Schlussquartal auf, und so steigt der EUR/CHF-Wechselkurs von 1,0753 auf 1,0805. Ob da noch mehr drin ist, darf bezweifelt werden. Was früher der Eiserne Vorhang war, ist heute ein Nord-Süd-Gefälle. Italien wackelt bedenklich. Private Anleger laden ihre Staatsanleihen bei der EZB ab und verlassen das Land.

Die Stimmung in der Wirtschaft im Euroraum hat sich verbessert, blieb aber recht unterschiedlich in den einzelnen Ländern, berichtet das Ifo-Institut. In Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Slowakei und Slowenien beurteilen die Experten die Lage am positivsten. Auch in Österreich, Luxemburg und den baltischen Staaten läuft die Konjunktur ganz gut.

Anders sieht es im Süden aus: "In Frankreich, Italien und Spanien verschlechterte sich hingegen die Einschätzung der ungünstigen Wirtschaftslage weiter", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Indes wird bekannt, dass die Arbeitslosenrate in Italien überraschend auf 11,7% kletterte. Das bestärkt jene, die sich von Italiens Staatsanleihen trennen.

Ausfallrisiken

Die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen aus Italien stiegen in den letzten drei Monaten von 1,04% auf 1,75%. Man möchte sich gar nicht ausmalen, in was für eine Situation das Land ohne die Hilfe der EZB wäre. Dank der Käufe der Notenbank sinken die Anleihekurse langsamer, die Zinsen steigen infolge nicht so stark, wie es die privaten Anleger verlangen.

Es dürfte nur eine Frage von Wochen sein, bis es sich die Europäische Zentralbank (EZB) zu eigen macht eine Marktstörung zu diagnostizieren, etwas von einem angeblich verstopften Kreditkanal erzählt und noch stärker interveniert. Den Ankauf von Aktien wird sich Draghi aller Voraussicht nach für eine Rezession, die irgendwann kommen wird, aufsparen.

Wahrscheinlicher ist, dass die EZB ihre Käufe von Italiens Staatsanleihen übergewichten und die von deutschen Papieren untergewichten wird. Das könnte man mit dem Kreditkanal und dem Nord-Süd-Gefälle begründen. Insgeheim weiß natürlich jeder, dass es sich um eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse handelt.