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28.09.16

Für den Euro läuft die goldene Franken-Schock-Zeit aus

Deutschlands Tage als Konjunkturlokomotive der Eurozone sind gezählt, sagt die volkswirtschaftliche Abteilung von Morgan Stanley. Wer könnte an die Stelle der deutschen Wirtschaft treten? Eigentlich nur Frankreich zusammen mit Spanien. Denn in Italien hat die Regierung gerade ihre Wachstumsziele kassiert. Die Schweiz steht mit ihrem Franken bald wieder über den Dingen.

Das deutsche Wirtschaftswachstum wird sich von 1,5% in diesem auf 1% im nächsten Jahr abkühlen, sagt Elga Bartsch, Europa-Chefvolkswirtin bei Morgan Stanley. Gegenwind komme von dem schwächeren Welthandel und dem Brexit. Beides treffe Deutschlands exportlastige Wirtschaft stärker als andere Länder.

Momentan sei die Lage wegen der Binnenkonjunktur, die von den Staatsausgaben für Flüchtlinge und einer im Juli erfolgten Erhöhung der Renten um 5% profitiere. Im nächsten Jahr sehe das aber schon anders aus. Dann werden nach Einschätzung von Bartsch Arbeitslosigkeit und Inflation steigen. Hinzu kämen höhere Vermögenssteuern, so dass die Bundestagswahl in einen wirtschaftlichen Abschwung fallen dürfte, schlussfolgert die Ökonomin.

In Italien trübt sich der Ausblick ebenfalls ein. Die Regierung von Matteo Renzi streicht ihre Wachstumsprognose für 2017 von 1,4% auf 1% zusammen. Banken-Ökonomen ist selbst das noch zu optimistisch. Sie rechnen mit 0,8-0,9%.

Damit verlagert sich der Schwerpunkt auf Frankreich, das 2017 mit einem Anstieg seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,5% rechnen kann. Für Spanien erwartet man um die 2%. Zu beachten ist: Franzosen und Spanier gehen im Gegensatz zu Deutschen und Italienern sehr viel tiefer in die Neuverschuldung. Hier wird also der Konjunkturschub ein Stück weit erkauft.

Die Schweizer Wirtschaft wird 2017 laut der Berner Regierung auf ein Wachstum von 1,8% kommen. Damit entfällt ein wichtiger Grund für ein Stärkerwerden des Euros gegen den Schweizer Franken. Denn in den 20 Monaten nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses lag das Wachstum in der Schweiz im Schnitt einen Dreiviertelprozentpunkt unter dem in der Eurozone.