18.07.16

Stimmen zum Zustand von Euro und Eurozone

Ein Anstieg des Euros gegen den Schweizer Franken lässt auf sich warten. Es spielt weiter keine Rolle, dass der Euro aus der Sicht vieler Banken unterbewertet ist. Damit Euro-Europäer in der Schweiz die gleiche Kaufkraft hätten wie Schweizer im Euroraum, müsste der Eurokurs gemäß der UBS bei 1,26 Franken liegen. Aktuell ist 1 Euro aber nur 1,09 Franken wert.

"Die Stellung des Schweizer Franken als sicherer Hafen wird angesichts der gegenwärtig Lage in der Eurozone wohl weiterhin von Bedeutung bleiben. Mittel- und langfristig spricht aber eine Vielzahl von Faktoren für eine Abwertung des Franken gegenüber dem Euro", heißt es in einem aktuellen Marktbericht von der Volksbank in Österreich.

Dass es der Euro nicht eilig hat aufzuwerten, dürfte auch an politischen Unwägbarkeiten liegen. Das Devisenpaar hat gerade erst den Brexit und einen Putschversuch in der Türkei weggesteckt, da steht schon die nächste potentielle Krise vor der Tür. In Italien wird im Herbst über eine Verfassungsreform abgestimmt. Bei einem Nein will Premier Renzi zurücktreten.

"Mit dem italienischen Referendum im November 2016 bleibt auch das politische Umfeld unsicher", schreibt die Ökonomin Ursina Kübli von der Bank J. Safra Sarasin. Inzwischen könnten die mit faulen Krediten überfrachteten italienischen Banken jedwede Erholung des Euros zunichte machen.

"Der Auslöser der Krise der letzten Wochen liegt doch nicht in Italien, sondern ist das Ergebnis des britischen Referendums", sagt Italiens Finanzminister Padoan der "Bild"-Zeitung. Das scheint ein geschickter Versuch zu sein, Staatsgelder in die Banken zu pumpen, ohne Aktionäre und Großsparer bluten zu lassen. Bei Finanzmarkt-Turbulenzen sieht das neue Bail-In-Regelwerk zur Sanierung der Banken nämlich Ausnahmen vor.