06.07.16

Hängepartie in Italien: Game Changer für EUR/CHF-Ausblick?

Der Euro sinkt mit 1,0793 Franken auf den tiefsten Stand seit einer Woche. Die Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft nehmen zu. In Europa stellen sich Marktteilnehmer zudem auf eine monatelange Italien-Krise ein. Entsprechend trübt sich der Ausblick für den EUR/CHF-Kurs wieder ein.

Weil der Ölpreis in den letzten drei Tagen von 51 US-Dollar auf 48 Dollar gefallen ist, machen sich Ökonomen Sorgen. Diesmal handelt es sich allem Anschein nach nicht um ein Überangebot wie zu Jahresbeginn, sondern um eine schwächere Nachfrage. In Europa kam die Wirtschaft zuletzt nur auf eine Wachstumsrate von 0,3% - halb so viel wie im ersten Vierteljahr.

Der Auftragseingang in der deutschen Industrie fällt enttäuschend aus. Im Mai 2016 lagen die Bestellungen exakt auf dem Niveau des Vormonats, meldet das Statistische Bundesamt. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 1% gerechnet.

Italien-Krise

Banken-Krise im Sommer, Politik-Krise im Herbst: So sieht der Fahrplan in Italien aus. Das Land kommt wegen seinen mit faulen Krediten überfrachteten Banken nicht zur Ruhe. Vor genau vier Jahren während der letzten Fußball-Europameisterschaft schlüpfte Spanien mit seinen Banken unter den Rettungsschirm. Das ist inzwischen nicht mehr ohne so weiteres möglich, weil das Regelwerk geändert wurde.

Wer jetzt Geld aus europäischen Töpfen braucht, muss erst seine eigenen Landsleute zur Kasse bitten. Ministerpräsident Renzi will aber unbedingt verhindern, dass Anteilseigner, Fremdkapitalgeber im Besitz von Banken-Anleihen (oft italienische Privatpersonen) und Sparer mit mehr als 100.000 Euro auf der hohen Kante die Rettung der Institute bezahlen.

Ende Oktober 2016 findet in Italien dann eine Volksabstimmung über eine Verfassungsänderung statt, die die Macht der Länderkammer deutlich beschneiden würde. Damit soll das Regieren effizienter werden. Bei einem Nein der Italienerinnen und Italiener hat Renzi seinen Rücktritt angekündigt.

Die sich anbahnende Dauer-Krise in Italien ist auch ein Ergebnis des unerwarteten Brexit. Dieser hat die Probleme der Eurozone schneller zu Tage treten lassen als von vielen erwartet. Der Euro-Franken-Kurses hat es in solchem Umfeld schwer zu steigen, wie die monatelange Griechenland-Krise vor einem Jahr bereits zeigte.