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14.07.16

Whatever-it-Takes-Bumerang schlägt in EZB-Bunker ein

Der Euro ist dann doch zu schwach auf der Brust, um über 1,10 Franken zu steigen. Ein Masterplan, wie die EZB das von ihr gedruckte Papiergeld in die Bankbilanzen bringt, ohne dabei als Geldverleiher letzter Instanz aufzufliegen, liegt bisher nicht auf dem Tisch. Mario Draghi kann den Euro tatsächlich retten. Er muss seine Whatever-it-Takes-Medizin selbst nehmen und zurücktreten.

Warum ist Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi eigentlich so scharf darauf, Steuergelder in seinen Banken zu pumpen? Ein Grund dürfte darin liegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihm mit den Ankauf von Staatsanleihen und niedrigen Zinsen die Option einer Banken-Rettung überhaupt erst möglich macht. Müsste sich Rom zu Marktbedingungen Kredite besorgen, wäre kein Geld da und die Banker müssten alleine klarkommen.

Die guten Banker ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen sowie Kapitalerhöhungen auf Kosten der Anteilseigner und vermögender Sparer dürfte auch EZB-Chef Mario Draghi nicht gerne sehen. Denn dann würde alles das auffliegen, was unter seine Aufsicht schief gelaufen ist. Draghi war von 2006 bis 2011 Chef der italienischen Notenbank und damit auch oberster Bankenaufseher des Landes.

Bumerang

Draghi habe durch konsequentes Wegschauen und Nichts-Wissen-Wollen die heutige Krise erst möglich gemacht, sagen seine Kritiker. Wie ihm die italienische Öffentlichkeit den Skandal um die heutige Zombie-Bank Monte dei Paschi durchgehen ließ, sei skandalös, bedenke man, dass der frühere Bundesbankchef Ernst Welteke für weitaus weniger seinen Hut nehmen musste.

Den Märkten ist das freilich alles bekannt und sie haben es eingepreist. Solange Draghi EZB-Chef ist, was ihm eine Art Erstvertuschungsrecht auf die unter seiner Zeit in Italien entstandenen Probleme gibt, wird es der Euro daher schwer haben, wieder seriöser rüberzukommen. Entsprechend dürfte der Euro erst im Jahr 2019, wenn Draghi aus dem Amt scheidet, glaubwürdiger und stärker werden.

Als der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, Anfang 2012 zurücktrat, wurde der Franken sofort stärker. Die Märkte haben gleich gewusst, dass sein Nachfolger, Thomas Jordan, bei weitem nicht so ein begnadeteter Mindestkurs-Fan und Papiergeld-Drucker war, wie Hildebrand.

Insofern wäre Mario Draghi nun an der Reihe, sein Whatever-it-Takes-Versprechen auch wirklich wahr zu machen. Vor vier Jahren, als Draghi die magischen Worte verkündete, war er noch Garant für die Euro-Rettung, wie der fortfolgende steile Anstieg des Euro-Dollar-Kurses zeigte. Inzwischen ist er zum Teil des Problems geworden. Ein Rücktritt des Italieners ist erforderlich, damit Euro und Eurozone wieder auf die Beine kommen.